Politische Verhältnisse

Nur spärlich sind unsere Informationen über die politischen Verhältnisse oder gar die Parteienlandschaft Erkners bis zum 1. Weltkrieg. Selten haben sich Hinweise auf entsprechende Aktivitäten erhalten. Es gab sie aber auch hier, wie z.B. schon Hauptmanns „Biberpelz“ verrät: Das „Sozialistengesetz“ wurde vom Amtsvorsteher auf seine spezielle Art energisch durchgesetzt. Dessen Vorlage Oscar von Busse hatte ein strenges Auge (er soll jedoch nur noch eins gehabt haben) auch auf „Freisinnige“, eine bürgerlich-liberale Partei, was sogar bei einer Reichstagsrede angeprangert wurde! Einige Zeitungsanzeigen für Wählerversammlungen sind überliefert, von sozialdemokratisch bis nationalkonservativ.

Einen gewissen Einblick in die politische Stimmung in Erkner erlauben die Reichstagswahlen am 12. Januar 1912, die letzten vor dem Krieg und im Kaiserreich.

Im Gegensatz zum sonst in Preußen üblichen Dreiklassenwahlsystem nach Steueraufkommen wurde der Reichstag in gleicher und geheimer Wahl gewählt, aber nur von Männern ab dem 25. Lebensjahr. Auch aktive Militärangehörige oder Empfänger öffentlicher Armenunterstützung waren ausgeschlossen. Somit waren 1912 nur etwa 21,8 % der Reichsbevölkerung Wahlberechtigte. Jeder Wahlkreis stellte einen Abgeordneten, der nach absoluter Mehrheitswahl ermittelt wurde, ggf. durch eine Stichwahl.

Arthur Stadthagen
Arthur Stadthagen

Letzteres war im hiesigen Wahlkreis Niederbarnim-Lichtenberg nicht notwendig. Der sozialdemokratische Kandidat Arthur Stadthagen (1857-1917) gewann am 12. Januar 1912 klar mit 71,7 %. Dieses Mandat hatte er bereits seit 1890 mehrfach verteidigt. Dabei war er auch in Erkner wiederholt in Wählerversammlungen aufgetreten. Hier war der Zuspruch zwar nicht so hoch, aber Stadthagen erhielt auch in Erkner mit 482 von 893 abgegebenen Stimmen eine deutliche Mehrheit von 54,0 % gegenüber seinen Rivalen.

Ergebnisse der Reichstagswahl am 12.01.1912 in Erkner

ParteiStimmen%
SPD48254,0
FVP29332,8
ReiP11813,2

SPD: Sozialdemokratische Partei Deutschlands
FVP: Fortschrittliche Volkspartei
ReiP: Deutsche Reichspartei

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