Bildung von Groß-Berlin 1920

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Berlin durch die Industrialisierung und massenhafte Zuwanderung von Arbeitskräften rasant gewachsen, was zur Entstehung eines zusammenhängenden Ballungsraums geführt hatte. Aber die bisherigen Verwaltungsstrukturen konnten den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. So hatte z. B. jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt eigene Verwaltungsvorschriften, die sich teilweise gegenseitig ausschlossen. Oder die Verkehrssysteme waren nicht kompatibel, wie bei den Straßenbahnen u v. m.

Gelb: Zweckverband Groß-Berlin, (c)  Retzlaff 2020 (Folie aus dem Vortrag "100 Jahre Berlin bei Erkner")
Zweckverband
Groß-Berlin

Mit dem Zweckverbandsgesetz für Groß-Berlin, das am 1. April 1912 in Kraft trat, wurden die kreisfreien Städte Berlin, Charlottenburg, Deutsch-Wilmersdorf, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg und Spandau sowie die Landkreise Teltow und Niederbarnim (zu dem Erkner gehörte) zu einem Zweckverband aus 151 Städten und Gemeinden mit 4,2 Millionen Einwohnern auf rund 3500 Quadratkilometern Fläche lose zusammengeschlossen. Dabei blieb (noch) unklar, ob der Zweck dieses Verbandes auf die Koordination zwischen eigenständigen Städten und Kreisen beschränkt bleiben oder bis hin zur Bildung einer Einheitsgemeinde führen solle.

Die Verantwortlichkeiten des Zweckverband waren beschränkt auf die übergemeindliche Koordination in Bereichen wie Verkehr, Wasser, Abwasser, Elektrizität und Stadtplanung.

Spandaus Stadtrat Emil Müller hatte im Vorfeld dieses Gesetzes 1911 verkündet:

„Mög‘ schützen uns des Kaisers Hand,
vor Groß-Berlin und Zweckverband!“

Gebiete des Dauerwaldvertrags von 1915, (c)  Retzlaff 2020 (Folie aus dem Vortrag "100 Jahre Berlin bei Erkner")
Gebiete des
Dauerwaldvertrags
von 1915

In den Kriegsjahren 1914-1918 konnte der Zweckverband nur begrenzt wirken. Er schuf aber einige wichtige Voraussetzungen für die weitere Gestaltung, wie z.B. Erwerbung und Erhaltung größerer von der Bebauung freizuhaltender Flächen (Wälder, Parks, Wiesen, Seen usw.). Zum Gebiet des Dauerwaldvertrages von 1915 gehörte auch das gesamte Waldgebiet der Grünau-Köpenicker Forst bis nach Erkner heran.
Die Vorbereitung der Zusammenführung der vielen Straßenbahnbetriebe zur Berliner Straßenbahn war wohl der größte Erfolg des Zweckverbandes.

Schon kurz nach Kriegsende wurden die Aktivitäten zur Bildung von Groß-Berlin wieder verstärkt. Insbesondere die veränderten politischen Bedingungen nach der Revolution trugen dazu bei. Der bisherige Widerstand vor allem bürgerlicher und konservativer Kräfte der „wohlhabenden“ Kommunen, die durch das jetzt abgeschaffte Dreiklassenwahlrecht ihren Vorrang verloren, konnte nun gebrochen werden.

Groß-Berlin 1920, (c)  Retzlaff 2020 (Folie aus dem Vortrag "100 Jahre Berlin bei Erkner")
Groß-Berlin 1920

Zum 1. Oktober 1920 wurde die Einheitsgemeinde „Groß-Berlin“ gebildet, allerdings mit nur knapper Mehrheit von 16 Stimmen in der Preußischen Landesversammlung und fortdauernde separatistischen Bestrebungen.
Über Nacht war hier die flächenmäßig zweitgrößte Stadt der Welt (hinter Los Angeles) mit den drittmeisten Einwohnern (nach London und New York) entstanden. Durch die Eingemeindung von sieben Städten (Köpenick kam als mit Abstand kleinste zu den oben genannten Städten hinzu), 59 Landgemeinden und 72 Gutsbezirken wuchs das Stadtgebiet um das Dreizehnfache auf 878 Quadratkilometer, die Bevölkerung verdoppelte sich auf 3,8 Millionen Menschen.

Nachbarkreise und Groß-Berlin 1920, (c)  Retzlaff 2020 (Folie aus dem Vortrag "100 Jahre Berlin bei Erkner")
Nachbarkreise und
Groß-Berlin 1920

Zuvor war u.a. über die einzubeziehenden Gebiete heftig gestritten worden. Die besonders betroffenen Kreise Niederbarnim und Teltow wehrten sich vehement, da ihre wirtschaftlich stärksten Gebiete im Umland Berlins abgetrennt werden sollten. Lange Zeit gehörten Köpenick, Friedrichshagen und das Müggelseegebiet nicht zur engeren Wahl. Letztendlich waren aber das Waldgebiet der bereits 1915 von Berlin gekauften Köpenicker Forst und das Einzugsgebiet des schon damals Berlin versorgenden Wasserwerks Friedrichshagen ausschlaggebend für die Grenzziehung unmittelbar vor den Toren Erkners, insbesondere am Dämeritz- und Flakensee. Selbst das erst unmittelbar vor Kriegsbeginn eröffnete Kreiswasserwerk in Erkner wurde zunächst bis 1926 nach Berlin eingemeindet. Und auch die traditionell engen Beziehungen nach Rahnsdorf, Hessenwinkel und Wilhelmshagen, die viele Jahre zum Amtsbezirk Erkner gehört hatten, waren nun unterbrochen.

Eingemeindung Erkners nach Berlin?

In Erkner kam es 1926 zu mehrmonatigen heftigen Diskussionen und auch Demonstrationen über einen Aufnahmeantrag der Gemeinde nach Groß-Berlin.

Eingemeindung Erkners nach Groß-Berlin?

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