Vom Schiff zum Boot

Gleich mehrere Straßennamen erinnern noch heute in Erkner an einst sehr einflussreiche Gewerke, die inzwischen fast vergessen sind: Schiffbauerstraße, Werftstraße, Hafenstraße.

Mitte des 19. Jahrhunderts hatten bis zu 60 % der Familien Erkners von der Schifffahrt gelebt. Besonders die Kalksteintransporte von Rüdersdorf nach Berlin waren eine wichtige Einnahmequelle, aber auch die Lastschifffahrt Richtung Havel und Elbe sowie zur Oder. Letztere wurde ab der Eröffnung 1889 der Teilstrecke Große Tränke bei Fürstenwalde – Seddinsee des Oder-Spree-Kanals für Erkner erheblich eingeschränkt, da nun die Streckenführung nicht mehr über Erkner/Dämeritzsee erfolgte, sondern über die neue Wernsdorfer Schleuse.
Mit der starken Schifffahrt waren in Erkner auch mehrere Werften entstanden. Um 1900 waren es noch fünf, zwei am Flakensee und drei am Dämeritzsee. Mit dem Übergang vom Holz- zum Stahlschiff und der zunehmenden Verbreitung des Dampf- bzw. Motor-Antriebs waren für viele kleine Schiffer bzw. Werften die notwendigen Investitionen zu hoch.

Dampfer und Motoboote im Flakenfließ
Dampfer im
Flakenfließ
Löcknitz-Partie, an späteren Löcknitzterrassen
Löcknitz-Partie
Anleger bei Seidenstücker, Bahnhofstr.
Anleger bei
Seidenstücker
ABE 1924: W, Gräbert
ABE 1924: W. Gräbert

Spätestens seit dem 1. Weltkrieg ist zwar von dem ehemals Erkner dominierenden Schiffer- und Schiffbaugewerbe nur noch wenig übrig, aber zahlreiche Folgebetriebe boten ihre Dienste an. Neben dem Gütertransport erfreute sich die Nutzung unserer Gewässer für Sport und Freizeit zunehmender Beliebtheit. Dampferfahrten waren ein wichtiges Ziel vieler Ausflügler. Mindestens 9 Bootshäuser und 6 Motorbootsbetreiber boten um 1930 ihre Dienste an. Motorboote mit teilweise über 100 Sitzplätzen befuhren speziell die Löcknitz Richtung Grünheide oder die Spree bis Hohenbinde. Später kamen auch Dampfer hinzu, die seit 1877/78 Richtung Woltersdorf/Rüdersdorf und ab 1894 nach Hessenwinkel, Rahnsdorf oder zum Müggelsee fuhren. 6 bis 8 Familien lebten vom Bootsbau.

ABE 1924
ABE 1924:
H. Christoph
ABE 1928: P. Lindemann
ABE 1928:
P. Lindemann
ABE 1924: H. Lindemann
ABE 1924:
H. Lindemann
ABE 1924
ABE 1924:
Paddlerheim

Die Anlegestellen befanden sich damals zumeist im Flakenfließ, besonders in Bahnhofsnähe am späteren Standort der Fußgängerbrücke, später am Restaurant Kyffhäuser.

Erkners Hafen (rechts, hinter Gebäude), um 1910
Erkners Hafen, um 1910
Anleger im Flakenfließ in Bahnhofsnähe, gegenüber: Restaurant Klosterhof, um 1914
Anleger im Flakenfließ in
Bahnhofsnähe, um 1914
Dampferfahrt auf der MS Löcknitztal, Reeder Bruno Kelling, 1930er Jahre
Dampferfahrt auf der MS
Löcknitztal, 1930er Jahre

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