Raus aus dem Korsett

Frauen in Erkner 1914-1945

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war geprägt durch heftige Wandlungen in Rolle und Stellung der Frauen.

Der neue Typ Frau, der sich in dieser Zeit herausbildete, war selbstbewusst, berufstätig und unabhängiger. Nachdem die Frauenbewegung der Jahrhundertwende Ende 1918 mit der Novemberrevolution in Deutschland das Wahlrecht erstritten hatte, folgte jetzt eine Entwicklung hin zur gesellschaftlichen Teilhabe der Frauen. Im Ergebnis des Krieges blieben viele Frauen allein und mussten einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Dabei erschlossen sie sich neue Tätigkeitsfelder, z.B. als Laborantin oder als Büroangestellte. Diese Tätigkeiten wurden jedoch grundsätzlich schlechter bezahlt, als hätten Männer sie inne. Frauen wurden in den unteren Gehaltsklassen eingruppiert.

Eine der ersten Männerdomänen, die sich Frauen eroberten, war die des Sekretärs. Da mit der Einführung der ersten Schreibmaschinen – in Erkners Gemeindeverwaltung z. B. lassen sich die ersten Maschinenschreiben um 1910 nachweisen – ohnehin neue Fachkenntnisse und Fertigkeiten benötigt wurden, stand oft die Entscheidung an, ob man nicht dafür auch Frauen einstellen könne. Die damals übliche geringere Bezahlung war dabei sicher ein nicht unwesentliches Argument.

Schreibmaschine AEG Mignon Modell 4
Diese Zeigerschreibmaschine wurde 1924-1933 in Berlin produziert und war in kleinen Büros und Unternehmen beliebt, da sie preisgünstiger als Tastatur-Schreibmaschinen war. 
Kurzvorstellung AEG Mignon 4 Schreibmaschine
(c) JM Filmvorführung

Familie Weger mit ihrem Opel Olympia
Familie Weger mit
ihrem Opel Olympia

Thekla Weger hatte, anders als ihr Ehemann, der Bakelite-Geschäftsführer Dr. Max Weger, eine Fahrerlaubnis! Beide präsentieren sich ca. 1935 stolz mit ihrem neuen Opel Olympia Cabriolet.

Künstlerinnen drängten mit neuen Ansichten in die Szene. Darstellungen vom nächtlichen Leben in Bars und Clubs, in denen sich Frauen, und speziell auch lesbische Frauen, amüsierten, widerspiegelten das Erscheinungsbild der neuen Frau. Beeinflusst davon war natürlich auch die Mode: Sie wurde kürzer, zwangloser und praktischer, sogar Hosen tauchten im breiten Spektrum auf. Ein Heer von Verkäuferinnen, Schneiderinnen und Textilarbeiterinnen wurde auch zur Befriedigung der neuen Bedürfnisse der Frauen tätig.

AAE, 08.03.1924
AAE, 08.03.1924
AAE, 04.06.1926
AAE, 04.06.1926
AAE, 17.04.1935
AAE, 17.04.1935
AAE, 12.05.1939
AAE, 12.05.1939

Doch schon gegen Ende der Weimarer Republik wurden die neuen Freiräume für die Frauen wieder enger, ihre Rechte wurden erneut beschnitten. In der Weltwirtschaftskrise entließ man vorwiegend Frauen, u.a. mit der „Doppelverdiener-Kampagne“ (wenn beide Ehepartner berufstätig waren). Ihren Tiefpunkt findet diese Entwicklung unter den Nationalsozialisten ab 1933. Frauen wurden wieder in die traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter gedrängt, die neue Offenheit in der Kulturszene wurde als entartet und obszön verboten und geächtet.