Revolution und Kriegsende 1918/19
Wegen der aussichtslosen Kriegslage hatte die Oberste Heeresleitung (OHL, seit 1916 geführt von den Generälen v. Hindenburg und Ludendorff) am 29. September 1918 die sofortige Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen gefordert. Während der Vorgespräche zum Waffenstillstand sollte die Kriegsmarine, die seit Sommer 1916 weitgehend tatenlos in den Heimathäfen lag, zu einem letzten Gefecht gegen die weit überlegene britische Kriegsmarine auslaufen. Aus dem Widerstand dagegen und der dramatischen Lage der Zivilbevölkerung entwickelte sich ab Ende Oktober von den Hafenstädten ausgehend ein Aufstand, der binnen weniger Tage weite Teile Deutschlands erfasste und Anfang November in einer Revolution mündete. Landesherren und der Kaiser wurden gestürzt, spontan gebildete Räte übernahmen die Macht.
Revolutionäres in Erkner
Für Erkner gibt es nur wenige Hinweise auf genaue Abläufe dieser Tage und Wochen. In der Schulchronik der Gemeindeschule vermerkte Rektor Klemmer:
„Der 9. November 1918 kam, der Tag des Zusammenbruches Deutschlands. Am Sonntag darauf [10. November] übernahm ein Soldaten‑ und Arbeiterrat die Regierung. Der Gemeindevorsteher Möhricke nahm Urlaub und ist später dann aus dem Amt geschieden. Die Ortsverwaltung wurde von den Schöffen Spindler und Erteld geführt.“
Am 10. November hatte der Landrat des Kreises Niederbarnim von Bredow mit einer Bekanntmachung aufgefordert:
„Durch Aufruf vom 9. d. M. fordert der Herr Reichskanzler Ebert alle Behörden und Beamten auf, der neuen Regierung hülfreiche Hand zu leisten, um das deutsche Volk vor Brüderkrieg und Hungersnot zu bewahren. Ich richte an alle Beamten des Kreises, an alle Amts-, Gemeinde- und Gutsvorsteher die Bitte, diesem Aufruf nachzukommen.“
Auch in Erkner hatte sich ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, der vor allem die weiterhin bestehende Gemeindeverwaltung kontrollierte. Zu Tätlichkeiten scheint es nicht gekommen zu sein, denn die in Friedrichshagen erscheinende Niederbarnimer Zeitung berichtete am 13. November:
„Die Umwälzung hat sich auch in unseren Nachbarorten ohne Störung der Ordnung und völlig unblutig vollzogen.“
Und am 16. November meldete die NZ:
„Die Neuordnung. In Erkner hat sich der Amts- und Gemeindevorsteher mit seinen Beamten dem Arbeiter- und Soldatenrat unterstellt.“
Zur Sicherung der Lage ließ auch Erkners Arbeiter- und Soldatenrat am 19. November bekanntmachen:
„Wir machen hiermit bekannt, daß bis zum 20. November 1918, abends 6 Uhr sämtliche Schusswaffen mit Munition bei uns im Gemeindebüro, Zimmer 8 abgegeben werden müssen, und zwar in gut eingefettetem, verpackten Zustande. Jedes Paket ist mit Namen und Nummer zu versehen. …“
Von den Mitgliedern dieses Arbeiter- und Soldatenrates kennen wir heute nur noch drei Namen: Busch, Fitsch und Weber, aber ohne Vornamen, so dass eine genaue Zuordnung schwierig ist. Lediglich bei Fitsch spricht viel dafür, dass es sich um Siegfried Fitsch handelte.
Unter diesen Bedingungen waren riesige Aufgaben zu lösen. Zu den schon bestehenden alltäglichen Problemen, insbesondere der Versorgung, kamen viele hinzu, wie die Demobilisierung der Armee – die auch zur Einstellung bzw. starken Einschränkung des zivilen Eisenbahnverkehrs führte – oder die Behandlung der in der hiesigen Wirtschaft eingesetzten gegnerischen Kriegsgefangenen und die Sorge um die eigenen. Krankheiten und Seuchengefahr griffen um sich. Bereits seit dem Sommer 1918 hatten auch unsere Region mehrere Grippewellen erfasst.
