Infrastruktur

Zu einem wichtigen Faktor in der Entwicklung der Gemeinde wurde die Einweihung des Kreiswasserwerkes Erkner im Juni 1914. Mit dem Kriegsbeginn verzögerte sich aber der Anschluss der Haushalte erheblich. 1929 z. B. versorgte es 8700 Anschlüsse im Kreisgebiet. Im Jahr 1926 erhielt der neue Friedhof in der Fürstenwalder Straße (heute Gerhart-Hauptmann-Straße) eine Wasserleitung. 1929 entstand endlich zur Freude vieler Erkneraner das Warmbad. Da Erkner keine Kanalisation hatte, besaßen die meisten Familien in ihren Wohnungen keine Bäder und konnten nun die dortigen öffentlichen Duschen und Badewannen nutzen.

Da die Pumpen des Wasserwerks elektrisch betrieben wurden, bekam Erkner 1914 auch erstmals einen Anschluss an des Berliner Stromnetz. Sicher hielt aber der umfassende Ausbau des Stromnetzes in Erkner erst nach Kriegsende Einzug. 1922 übernahm die Gemeinde die Elektrizitätsversorgung von den Berliner Elektrizitätswerken, um als Großabnehmer bessere Preise für die Bürger Erkners zu erzielen.

Kreiswasserwerk in Erkner, (Quelle: Kreiskalender 1930, S. 27)
Kreiswasserwerk
in Erkner
Warmbad Erkner
Warmbad Erkner
NZ, 13.06.1914
NZ, 13.06.1914
Pressefahrt des ersten elektrischen Zuges, ab 1930 „S-Bahn“ genannt.
Pressefahrt des
ersten elektrischen
Zuges

Auch die Stadtbahn (ab 1930 offiziell „S-Bahn“) fuhr ab 11. Juni 1928 zwischen Erkner und Potsdam mit Strom, am 7. Oktober wurde der Dampfbetrieb auf dieser Strecke eingestellt. Für die neuen Züge entstand am Bahnhof Erkner die Triebwagenhalle für das spätere Bahnbetriebswerk.

AAE, 02.08.1922: Erkner wurde an die zentrale Gasversorgung angeschlossen, Auszug
AAE, 02.08.1922

Die 1903 in der Flakenstraße eröffnete Gasanstalt stellte 1923 ihre Produktion ein, Erkner wurde an die zentrale Gasversorgung angeschlossen. Einen Teil des Geländes, auf dem bisher die Gasspeicher gestanden hatten, kaufte die Bakelite GmbH 1928 für die Erweiterung ihres daneben liegenden Werks I.
Den Erlös nutze die Gemeinde hauptsächlich für den Bau des Warmbades. Die leerstehenden Räume des Gaswerks wurden u.a. öffentlich genutzt, z.B. für die Volksküche zur Versorgung der ärmsten Erkneraner in der Inflationszeit oder auch als Sitzungssaal der Gemeindevertretung.

Das 1907 erbaute neue Kaiserliche Postamt in der Berliner Straße (heute Friedensplatz 7) – das erste Postamt befand sich schräg gegenüber an der Ecke Bahnhof- und Ladestraße – vermittelte auch den Fernsprechverkehr. 1914 gab es im Ort 55 private Telefonanschlüsse. Öffentliche Fernsprechstellen waren in der Post und auf dem Bahnhof eingerichtet. 1926 wurde die Fernsprechvermittlungsstelle zum Selbstanschluss-Amt umgebaut. In den Haushalten hielten damit die Wählscheibentelefone Einzug, ab 1936 auch der heutige Designklassiker W48 aus Bakelit! Das „Fräulein vom Amt“, die Telefonistin, die bisher per Hand an einem Klappenschrank die Verbindung zum Teilnehmer „stöpselte“, verlor damit in Erkner als wichtiger Frauenberuf an Bedeutung.

Postamt Berliner Straße, 1944 zerstört, heute etwa Friedensplatz 7
Postamt Berliner
Straße
Telefonistinnen stöpselten am Klappenschrank die Verbindung zwischen den Teilnehmern
„Fräulein vom Amt“,
die Telefonistin
Klappenschrank für 50 Teilnehmer - schon 1914 reichte dieser in Erkner nicht mehr aus!
Klappenschrank für
50 Teilnehmer
Dsignklassiker aus Bakelit - das Wählscheiben-Telefon W48 wurde 1936 eingeführt
Dsignklassiker aus
Bakelit – das
Wählscheiben-Telefon
W48 von 1936

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