Frauen als Lehrerinnen

Lange Zeit war die Ausbildung zur Lehrerin für Frauen die einzige Chance für den Besuch einer weiterführenden Schule oder einer akademischen Laufbahn. Erst 1908 wurde den Frauen in Preußen der Zugang zum Studium allgemein erlaubt. So waren 1913 etwa 8 % aller Studierenden weiblichen Geschlechts, 1930 lag ihr Anteil bei 16 %.

In Erkner war nach langen Diskussionen in der Gemeindevertretung 1902 mit Helene Hahn erstmals ein „Fräulein Lehrerin“ eingestellt worden. In diesem Schuljahr gab es in Erkner 590 Schüler in 10 Klassen, die von 9 Lehrpersonen in 8 Räumen unterrichtet wurden! 1910 gab es hier schon 4 Lehrerinnen neben 10 Lehrern. Besonders im Krieg erhöhte sich wegen des Männermangels der Anteil der Lehrerinnen.

Dienstjubiläum E. Knoch, AAE, 29.09.1930
AAE, 29.09.1930

Elisabeth Knoch, seit 1905 Lehrerin in Erkner, wurde 1924 sogar Konrektorin, also Stellvertreterin des die Gemeindeschule leitenden Rektors. Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand 1931 wurde diese Stelle allerdings nicht wieder besetzt.

Bis 1918 herrschte noch das „Lehrerinnen-Zölibat“, d.h. bei einer Heirat mussten Frauen ihre Lehrtätigkeit aufgeben, womit sie z.B. auch alle erworbenen Pensionsansprüche verloren. Diese Regelung wurde mit dem Artikel 109 der Weimarer Verfassung aufgehoben. Jedoch wurde sie mit der Krise 1923 durch eine „Hintertür“ in eben diesem Artikel wieder eingeführt, da es inzwischen genügend männliche Lehrer gab, denen bei der Besetzung offener Stellen der Vorzug gegeben wurde.

Lehrerkollegium der Gemeindeschule, um 1930
Lehrerkollegium der
Gemeindeschule,
um 1930
Lehrerkollegium der Fontane-Schule, um 1930
Lehrerkollegium der
Fontane-Schule,
um 1930

Besonders in den Anfangsjahren der NS-Diktatur wurden verheiratete Lehrerinnen verpflichtet, ihren Beruf aufzugeben. Dies diente der Freisetzung von Arbeitsplätzen für Männer und insbesondere der Durchsetzung der nationalsozialistischen Vorstellung von der Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter, nicht als Berufstätige. Dies bekam z.B. die Lehrerin Hildegard Zimnik zu spüren, die alljährlich diverse Anträge und Begründungen vorlegen musste, da das Einkommen ihres Ehemannes für den familiären Unterhalt nicht reichte. Spätestens mit dem Kriegsbeginn stieg jedoch der Bedarf an Frauen im Beruf wieder enorm an.

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