Handwerk & Mobilität
Viele Handwerker waren im Baugewerbe zu finden. 1928 gab es allein 8 Baugeschäfte, darunter die sehr traditionsreichen von Bruchmann, Grimm und Habel. 5 Zimmerei- und 6 Dachdeckereibetriebe, 8 Tischlereien, 8 Maler bzw. Tapezierer und viele Einzelgewerke gehörten auch zur Branche.
Viele dieser Firmen wurden mit Bauholz zunächst vom Dampfsägewerk Carl Beier am südlichen Dämeritzsee (Mühlenstraße, da das Werk zunächst als Dampfsägemühle bezeichnet wurde) versorgt. 1925 kam auch noch das Dampfsägewerk Ernst Rüdiger an der Seestr. 7-14 hinzu. Allerdings befand sich dort lediglich das Kontor und der Holzhandel mit Lagerplatz dieser Firma, das Sägewerk blieb in Fangschleuse am Werlsee.

Werbung 1913

Werbung 1914

Werbung 1928

Werbung 1924

Seestraße

Werbung 1914

Rintisch

Neue, moderne Technik hielt insbesondere nach Krieg und Inflation in Erkner Einzug. Mit dem Anschluss des 1914 eröffneten Kreiswasserwerks Erkner an die Berliner Stromversorgung entwickelte sich eine völlig neue Branche in Erkner. Damals war Ernst Brensing hier der einzige Elektriker. 1928 gab es 5 Elektro-Installationsgeschäfte, die auch immer umfangreicher mit Elektrogeräten handelten, wie den sich nach 1923 schnell verbreitenden Radios.

Friedrichstr. 66

Werbung 1929

Werbung 1924

Werbung 1924
Mobilität
Auch die Mobilität veränderte sich. War im Adressbuch von 1914 noch nicht einmal ein Fahrradhändler zu finden, so waren es 1928 mit Döke, Schulz und Wünsche mindestens 3. Noch stärker wirkte sich die Verbreitung von Kraftfahrzeugen aus! Meist betrieben die neuen Firmen frühere Mechaniker, Klempner usw., die jetzt daneben auch entsprechende Werkstätten führten.

Werkstatt Döke, Werbung 1924

aus Erkner

Werkstatt Schulz,
Werbung 1930

Werbung 1931
Erster Besitzer einer „Kraftdroschke“ (Pkw) war spätestens 1909 der Arzt Dr. Moeller. Daneben waren in Erkner damals erst 3 Besitzer von „Krafträdern“ (Motorräder) registriert. 1933 fanden sich im Adressbuch statt vieler Kutscher allein 30 „Kraftwagenführer“ und ein „Schofför“, darunter mehrere Taxifahrer. 1928 gab es 7 Autovermieter. Auch die Kohlenhändler und Fuhrunternehmer stellten auf Motorantrieb um, darunter eines der ältesten Unternehmen Erkners, das 1848 gegründete Fuhrgeschäft Buchholz in der Bahnhofstraße. Auf diese Entwicklung folgten mindestens 2 Kfz-Werkstätten, 1935 die erste Fahrschule von Thyrolf und bald mit Heinicke und Wünsche die ersten Autohändler.

Erkner, um 1930

Visitenkarte

eine der ältesten
Firmen in Erkner

Umstellung auf Lkw
Die Firma Wünsche zeigt deutlich die Entwicklung:
Während Richard Wünsche in den Adressbüchern von 1914 und 1924 noch als Schlosser bzw. Dreher geführt wurde, findet er sich 1928 mit dem Eintrag „Fahrradhandlung und Reparaturwerkstatt, Friedrichstr. 68“. Er war selbst leidenschaftlicher Radsportler, 1926 einer der Wiedergründer des Radfahrer-Vereins „Wanderer-Erkner“ und Unterstützer des Radweltmeisters Walter Sawall aus Erkner. Schon bald erweiterte Wünsche sein Sortiment vor allem um moderne Technik: Ende 1928 bot er auch „Sprechapparate“ (Telefone) und Schallplatten an, ab 1930 Opel-Automobile, Motorräder von DKW und auch Kinderwagen. „Opel-Wünsche“ war noch bis weit in die DDR-Zeit in Erkner bekannt. In den 1930ern verkaufte er auch Radios und betrieb eine Tankstelle, genauer zwei Zapfsäulen vor seinem Haus am Rand der Friedrichstraße.

Friedrichstr. 68

Werbung 1928


Wünsche
„Opel-Wünsche“ war aber nicht der einzige Tankstellen-Betreiber. In Erkner lassen sich bis 1945 mindestens unter 9 verschiedenen Adressen solche Einrichtungen nachweisen, die früheste spätestens 1922 an der Friedrichstraße 3. Sogar eine „erste schwimmende Tankstelle unserer Gegend“ gab es ab 1931 auf dem Dämeritzsee am Restaurant Fiedler! Viele dieser Firmen, wie auch die Fahrzeug-Handlungen, waren mit Werkstätten verbunden bzw. aus diesen hervorgegangen.
Neben diesen gab es noch weitere neue Gewerke in Erkner, so z. B. den Essighandel Große, die Sauerkohlfabrik Bleiweiß, Steinsetzer/Straßenbauer Krawczyk und Zerbock, die Fassfabrik Beuth, die Lackfabrik Herbig-Haarhaus (Filiale) oder den „Deutschen Schutz und Wachdienst“ v. Jagow.

Gurkeneinlegerei
Bleiweiß, Werbung
1939

Krawczyk, Werbung
1937

Königstr. 10-11

Haarhaus, Filiale
Erkner
