Reichstags-Ersatzwahl 1918

Obwohl während des 1. Weltkriegs reguläre Reichstagswahlen ausgesetzt waren, kam es im hiesigen Wahlkreis am 14. März 1918 zu einer Ersatzwahl. Im Dezember 1917 war der Reichstagsabgeordnete für Niederbarnim-Lichtenberg Stadthagen überraschend verstorben.

Rudolf Wissell (c) Deutsche Sozialpolitik, 1929
Rudolf Wissell

Für Erkner waren keine Daten zu finden. Im ganzen Kreis lag der Anteil linker Kandidaten zwar mit 70,7 % wieder fast auf der Höhe von 1912 (71,7 %), aber inzwischen hatte sich die Sozialdemokratie u.a. über die Stellung zum Krieg gespalten. Für die sich jetzt MSPD (Mehrheits-SPD) nennende Partei trat Rudolf Wissell (1869-1962) an und holte im ersten Wahlgang 42,7 %. Der von der USPD (Unabhängige SPD) aufgestellte Rudolf Breitscheid (1874-1944) konnte 28,0 % für sich gewinnen. Die bürgerlichen Kandidaten blieben weit abgeschlagen.

Dieser deutliche Erfolg Wissells war überraschend! Stadthagen, der ab 1915 im Reichstag gegen Kriegskredite gestimmt hatte, war 1917 Mitbegründer der USPD gewesen! Schon kurz nach seinem Tod hatten bürgerliche Parteien und Zeitungen mit dem Schreckgespenst der radikalen Linken Stimmung gemacht. Beim Januarstreik 1918 für „Frieden und Brot!“, dem ersten politischen Massenstreik seit Kriegsbeginn, hatte die USPD durchaus ihren Einfluss gezeigt.

NZ, 22.03.1918, Wahlversammlung in Friedrichshagen zur Stichwahl
NZ, 22.03.1918

Zur Stichwahl am 26. März 1918 empfahlen die bürgerlichen Parteien ihren Wählern Stimmenthaltung oder sogar die Wahl Wissells, um die „Niederlage der Unabhängigen Sozialdemokratie zu einer endgültigen zu machen“. Die USPD selbst empfahl Stimmenthaltung, so dass Wissell mit 99 % gewählt wurde. Allerdings war jetzt weit weniger als die Hälfte aller Wähler der Hauptwahl an die Urnen gegangen.

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