NS-Frauenpolitik

Die Frauenpolitik des NS-Regimes war geprägt von der organisatorischen Einbindung und ideologischen Ausrichtung der Frauen auf die Ziele der NSDAP. 1939 gehörten etwa 12 Millionen Frauen mindestens einem der zahlreichen NS-Verbände an.

AAE, 30.05.1940 zur Bildung von drei Ortsgruppen der NS-Frauenschaft
AAE, 30.05.1940

Organisatorisch entstanden ab 1923 im Umfeld der NSDAP auch Frauenverbände. Dazu gehörte der Deutsche Frauenorden (DFO), der sich ab Mai 1930 auch in Erkner nachweisen lässt. Dieser und alle anderen NS-Frauenorganisationen wurden 1931 zugunsten der Neugründung NS-Frauenschaft (NSF) aufgelöst. Ortsfrauenschaftsleiterin in Erkner war wie schon beim DFO Marie Gransow, die etwa 1928 mit ihrem Mann Hans von Berlin zugezogen war. Beide gehörten zu den Gründern der NSDAP-Ortsgruppe Erkner im Juni 1928. Bis 1942 wuchs Erkners NSF so stark an, dass sie im Mai in drei Ortsgruppen aufgeteilt wurde.

Bei der Rückdrängung der speziell in den 1920er Jahren erreichten Freiheiten und Möglichkeiten in die „traditionelle Frauenrolle“ ab 1933 spielte die Mutterschaft eine besondere Rolle. Die „natürliche Hauptaufgabe” der Frauen sah das Regime in der Mutterschaft zur Sicherung der „arischen Rasse” einschließlich der Erziehung und Versorgung der Kinder im nationalsozialistischen Geist. Auch für die Reduzierung der Arbeitslosigkeit hatte die veränderte Stellung der Frauen – insbesondere durch ihre Verdrängung aus dem Berufsleben – erhebliche Bedeutung.

„Mutterkreuze“ in Bronze, Silber und Gold (v.l.)
„Mutterkreuze“

Diesem Zweck diente 1934 auch die Einführung des Muttertags als offizieller Feiertag am 3. Maisonntag des Jahres.
Hitler bezeichnete die Mutterschaft als das „Schlachtfeld“ der Frau. Dementsprechend bekam das 1938 eingeführte „Mutterkreuz“ (offiziell „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“) für Frauen eine ähnliche Funktion wie das Eiserne Kreuz für Soldaten.

AAE, 24.05.1939
AAE, 24.05.1939

Ab 1939 wurden in Erkner insgesamt 344 Mutterkreuze verliehen. Diese Auszeichnung erhielten Frauen in Bronze, wenn sie 4 Kinder geboren hatten. Ab 6 Kindern wurde ihnen das Kreuz in Silber verliehen, ab 8 Kindern in Gold. Es zählte jedoch nicht allein die Anzahl der Kinder. Die Vergabe war vor allem rassistisch motiviert: Nur deutsche Frauen, die als „rein arisch“ und „sittlich einwandfrei“ galten, wurden berücksichtigt. Ihre Kinder mussten lebend geboren worden und „erbgesund“ sein.

Berichtet wurde in den Medien u.a. über die 1874 geborene Wilhelmine Samel mit 16 Kindern sowie Wilhelmine Schleusener (Jahrgang 1864) und Anna Bugge (1867) aus Erkner, die jeweils 14 Kinder hatten. In den nebenstehenden Artikel hatten sich Fehler eingeschlichen, die in der folgenden Ausgabe wie oben zu lesen korrigiert worden waren. Es wurde aber auch vermerkt: „Unter den 13 Müttern mit über 10 Kindern befinden sich nur 2 gebürtige Erkneranerinnen.“

Frauen in der Rüstungsproduktion der Kugellagerfabrik - evtl. handelt es sich um Zwangsarbeiterinnen
Frauen in der
Rüstungsproduktion
der Kugellagerfabrik

Mit dem Kriegsbeginn, insbesondere mit der immer längeren Dauer und den steigenden Verlusten, bekamen Frauen wieder in allen Bereichen der Wirtschaft eine wachsende Bedeutung.

Aber auch mit ihnen konnte der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden. Unter den zahlreichen in Erkner eingesetzten Fremd- und Zwangsarbeitern waren auch viele Frauen und Mädchen. Genaue Zahlen liegen leider nicht vor. Zeitzeugenberichte oder Bauanträge für Barackenlager lassen auf mehrere Hundert schließen.

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