Davon lebten die Erkneraner

Das „Teerwerk“ der Rütgerswerke AG war neben der Eisenbahn der größte Arbeitgeber im Ort. Der später größte Betrieb Erkners, die Bakelite GmbH, steckte erst in den Kinderschuhen und produzierte noch auf dem Gelände der Rütgerswerke, zu denen sie gehörte. In der Flakenstraße begannen gerade die Bauarbeiten für ihr künftiges Werk I.

Kolonialwaren Fechner, Friedrichstr.  65
Kolonialwaren-
Händler Fechner,
Friedrichstr. 65

Vielfältige Handwerks- und Gewerbebetriebe konnten die meisten Bedürfnisse der Bewohner abdecken. Besonders Händler und Hersteller von Lebensmitteln, wie Kolonialwaren, Bäcker, Fleischer, über Bekleidung oder Schuhmacher, bis zum Baugewerbe oder Frisör waren vertreten.

Eine besondere Bedeutung hatte die Gastronomie. Mindestens 25 Wirte und Kneipiers warben um Gäste. Die Region Erkner hatte sich mit der Eisenbahn zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner entwickelt. Auch Hotels und zahlreiche Unterkünfte standen für den „Fremdenverkehr“ bereit, bis hin zu den von Sommerfrischlern für eine ganze Saison gemieteten Sommerwohnungen, die aber auch zur Verschlechterung der örtlichen Wohnungssituation beitrugen.

Eines der frühesten Firmen in Erkner: Spedition Buchholz, Anzeige, ABE 1914
Anzeige, ABE 1914

Mit der Eisenbahn und den Ausflüglern hatte sich in Erkner auch das Transportgewerbe mit mehreren Fuhrunternehmen stark entwickelt. Schon rund 65 Jahre existierte der wohl älteste Fuhrbetrieb Buchholz an der Bahnhofstraße, gegründet 1848 direkt gegenüber der zum Güterbahnhof führenden Ladestraße.

Inzwischen war nicht nur für Berliner die Fahrt hinaus ins Grüne von Bedeutung. Viele Erkneraner pendelten bereits täglich zu ihrem Arbeitsplatz in Berlin oder dessen Vororten, wie Köpenick, Friedrichshagen oder Fürstenwalde.

Dampferanleger im Flakenfließ, nahe der späteren Fußgängerbrücke
Dampferanleger im
Flakenfließ

Das traditionsreiche Schiffergewerbe und die ehemals fünf Schiffbauereien mussten sich steigender Konkurrenz erwehren. Allmählich hatte die Eisenbahn viele Güter übernommen. Der Bau und Betrieb von Dampfschiffen und immer größeren Metallkähnen war für die meisten hiesigen Schiffer und Schiffbauer kaum finanzierbar. Und speziell die Eröffnung des Oder-Spree-Kanals, der den Verkehr über Wernsdorf statt Erkner führte, leitete den Niedergang der hiesigen Lastschifffahrt ein. Wer konnte, stieg in den Aufschwung des Fremdenverkehrs und Freizeitsports ein. Aus den Werften wurden Bootsbauereien oder Bootsverleiher bzw. -liegeplätze. Mehrere Schifferfamilien widmeten sich statt der Last- nun der Personenschifffahrt. Erste Dampfer fuhren die Gäste Richtung Woltersdorf, Müggelsee oder nach Hohenbinde, Motorboote vor allem die Löcknitz hinauf.

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