Hunger und Kälte

Hunger

Ob die Kriegerfrauen wirklich „zurecht“ kamen, wie oben in der Schulchronik behauptet wurde? Im Laufe des Krieges wurde die Versorgung zum immer größeren Problem! Bereits am 6. August 1914 meldete die NZ:

„Zur Sicherung des Lebensmittelbedarfs in Groß Berlin hat der Oberbefehlshaber in den Marken angeordnet, daß aus dem Gebiete des Zweckverbandes Groß Berlin die Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch verboten ist, soweit es sich nicht um Lieferungen für Militärbehörden handelt. Zum Zweckverbands­gebiet gehören alle Ortschaften der Kreise Niederbarnim und Teltow.“

Brotmarken, Februar 1915
Brotmarken, 1915

Am 18. Februar 1915 findet sich in der Niederbarnimer Zeitung aus Friedrichshagen die Mitteilung:

„Die Einführung der Brotmarken für Berlin und Nachbarorte tritt mit dem kommenden Montag in Kraft.“

Es gab fast nichts, das nicht rationiert oder beschlagnahmt wurde, wie z.B. Messing-Türbeschläge, Fahrradbereifung oder kaputte Glühlampen – zumindest deren metallene Sockel. Ersatzstoffe hielten in allen Bereichen Einzug, selbst bei Lebensmitteln, wie die universell einsetzbare Brennnessel (von der Ernährung bis zur Textilproduktion). Jedes Stückchen Land musste zum Anbau genutzt werden. Trotzdem reichte es mit zunehmender Kriegsdauer und besonders in den Wintern kaum zum Überleben. Die Schulchronik berichtet:

„Die Ernährungszustände wurden immer schlechter. Die Nahrungsmittel wurden rationiert; es gab alles auf Karten. Jedoch so wenig, dass niemand satt wurde. Oft behielten die Eltern ihre Kinder zu Hause, weil sie dieselben nicht ungegessen fortlassen wollten. Es begannen sogenannte Hamsterfahrten. Kinder und Mütter fuhren nach dem Kreis Lebus und brachten Kartoffeln, Mehl, Butter heim. Leider wurde es oft von der Polizei abgenommen.
War es 1916 schon bedenklich gewesen, so wurde 1917 ein Hungerjahr. Kohlrüben und Dörrgemüse. Die Länge des Krieges, die schlechte Ernährung erzeugte Bitterkeit.“

Kälte

Hinzu kam der ewige Mangel an Brennstoffen, nicht nur zum Heizen. Auch die Gasversorgung wurde oft unterbrochen, denn für deren Produktion wurde ebenfalls Kohle gebraucht. Ob sich die häufigen Stromsperren in Erkners Haushalten bereits stark auswirkten, kann eher bezweifelt werden. Das Leitungsnetz war wahrscheinlich noch nicht allzu weit ausgebaut, nachdem Erkner erst kurz vor Kriegsbeginn überhaupt Stromanschluss bekommen hatte. Aber auch der Betrieb der Pumpen des hiesigen Kreiswasserwerks war vom Strom abhängig.

NZ, 27.11.1917
NZ, 27.11.1917

Es gab verschiedenste Versuche, Energie zu sparen, in den Schulen z. B. durch die Verschiebung des Unterrichtsbeginns in die hellere Tageszeit, wie die NZ am 27. November 1917 auch über die Höhere Schule in Erkner meldete.

In Erkners Schulchronik der Gemeindeschule spiegelt sich die tägliche Not deutlich wider:

1917: „Am 5. Februar muß der Unterricht ausgesetzt werden wegen Mangel an Heizungsmaterial bis 20. Februar. Vom 8. bis 19. März mußte die Schule wieder wegen Mangel an Feuerungsmaterial geschlossen werden. […] Das Schuljahr war das jammervollste, das ich erlebt habe. Not im Ort, Mangel an Lebensmitteln, die Kinder hatten oft kein Frühstück genossen, Kohlrüben die einzige Tagesspeise.“

1918: „Die Zustände werden immer trostloser. Bei der mangelhaften Ernährung sind die Kinder nicht mehr leistungsfähig. Ungeziefer, Krätze werden durch die beurlaubten Soldaten eingeschleppt.“

NZ, 22.08.1918
NZ, 22.08.1918

Am 22. August 1918 ließ daher sicher die Meldung „Ein Braunkohlenlager bei Berlin“ aufhorchen. Bereits bekannte Lager im Umland sollten nun erschlossen werden.

Kohlebergbau bei Erkner?

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