Schulen 1919-1932

AAE, 29.05.1926: Kandidatenlisten zur Wahl der Elternvertreter
AAE, 29.05.1926

Nur langsam trat nach der Unruhe der Kriegs- und Revolutionszeit in den Schulen wieder „Normalität“ ein. Fehlende Lehrer wurden nun bevorzugt durch „Flüchtlingslehrer“ ersetzt. Die Inflation führte aber erneut zu Kürzungen. Mit den veränderten politischen Bedingungen und Mehrheitsverhältnissen spielten Auseinandersetzungen um Inhalte und Unterrichtsführung eine größere Rolle.

Zu den Wahlen der neu eingerichteten Elternvertretungen entstanden meist mehrere Listen, wie „Christlich-unpolitische Liste“ (eher bürgerlich), „Schulfortschritt“ (SPD-nah) oder „Kind in Not“ (KPD-nah). Diskutiert wurde z.B. die Rolle der Kirchen und Religion in der Schule oder über Schulstrafen.

Neue Mittel und Methoden hielten langsam Einzug, wie das Schulkino 1922 in der Turnhalle oder „neuzeitlicher Unterricht auf arbeitsschulmäßiger Grundlage“ ab 1923. Die Volksschule nahm 1926 erstmals am Kreis-Schul-Sportfest teil, das dann 1927 sogar auf dem neuen Sportplatz in Erkner abgehalten wurde. 1929 wurde versuchsweise der „ungeteilte Unterricht“ (also ohne Geschlechtertrennung) eingeführt. Ab Ende 1929 gab es Hauswirtschaftsunterricht in der Schulküche bzw. Werkunterricht, allerdings getrennt nach dem tradierten Rollenbild.

AAE, 26.01.1929
AAE, 26.01.1929

Heftig gestritten wurde 1926 über den Vorschlag zur „Umgestaltung der hiesigen Höheren Mädchen- und Knabenschule zur Mittelschule“, da dies „für Erkner praktischer und billiger“ wäre. Anfang 1929 konnte Direktor Hapke im Aufruf zur Schulanmeldung aber weiterhin betonen, dass seine Lehranstalt, die seit 1927 den Namen „Theodor-Fontane-Schule“ trug, „eine reformrealgymnasiale Rektoratsschule, d. h. eine höhere Schule“ sei, deren Abschlüsse weiterhin den Zugang zu den entsprechenden Gymnasien, Lyzeen und Studienanstalten ermöglichten. Sie umfasste die Sexta bis Obertertia, also die Jahrgangsstufen 5 bis 10.

Gemeinde-Warmbad
Gemeinde-Warmbad

Besonders in den Krisenjahren bereitete die Schulspeisung und insbesondere die Versorgung der Kinder aus den ärmsten Familien große Sorgen. Durch das Engagement zahlreicher Erkneraner wie auch der Großbetriebe konnte meist das Schlimmste verhindert werden. Im Oktober 1923 stellte Dr. Moeller bei seinen schulärztlichen Untersuchungen aber fest, dass „in der Gemeindeschule 53 %, in der höheren Schule 56 % unterernährt sind“. Epidemien wie Grippe oder Masern erzwangen mehrfach die Schließung ganzer Klassen oder der Schulen, wie auch im Februar 1929 eine extreme Kälte. Eine enorme Verbesserung der hygienischen Situation konnte durch die Eröffnung des Gemeinde-Warmbades Ende 1929 erreicht werden. Da in Erkner wegen der fehlenden Kanalisation in nur wenigen Haushalten Bäder vorhanden waren, fand nun „in Abständen von 2 Wochen planmäßiges klassenweises Baden statt“.

Lehrerinnen waren spätestens seit dem Weltkrieg auch an Erkners Schulen weit verbreitet, wenn auch wesentlich schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Frauen in Leitungsfunktionen waren aber die Ausnahme! Elisabeth Knoch, seit 1905 in Erkner, wurde mit 30 Jahren Berufserfahrung 1924 die erste Konrektorin. Nach ihrem Ausscheiden 1931 wurde diese Stelle aber nicht neu besetzt. Die nur für Lehrerinnen bestehende Pflicht, unverheiratet zu bleiben – der sogenannte „Lehrerinnen-Zölibat“ – war zwar mit der Weimarer Verfassung 1919 aufgehoben worden. Aber aus arbeitsmarktpolitischen Gründen wurde er ab 1923 wieder eingeführt.

Eine Meldung im AAE vom 26.10.1927 lässt fast eine Geschichte wie „Die Feuerzangenbowle“ vermuten: „Ein Lehrer als Abiturient“. Lehrer Bork, seit 1909 im Schuldienst und ab 1914 in Erkner, hatte nebenberuflich sein Abitur nachgeholt, womit ihm 1928 der Weg ins Amt des Konrektors und 1929 des Rektors der Volksschule offenstand, bevor 1933 seine Karriere abrupt beendet wurde.

Klassenfoto Volksschule, 1930er Jahre
Klassenfoto Volksschule, 1930er Jahre
Klassenfoto Höhere Schule, 1931
Klassenfoto Höhere Schule, 1931

Von der Fortbildungsschule zur Zentralberufsschule

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