Frauen im gesellschaftlichen Leben

Frauen hatten sich bereits vor 1914 diverse Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in Erkner erobert. Dies beschränkte sich aber auf Vereine oder Hilfseinrichtungen, wie 1898 die Frauenabteilung im 1877 gegründeten Turn- und Sport-Verein Erkner, 1902 die evangelische Frauenhilfe oder der erste Frauenchor 1909. Vom politischen Leben blieben sie aber bis zur Einführung des Frauenwahlrechts im November 1918 explizit ausgeschlossen!

Kommunalwahl 1919

„Wahlaufruf“, AAE, 16.05.1928
„Wahlaufruf“, AAE,
16.05.1928

Im März 1919 trat die neugewählte Gemeindevertretung unter dem Vorsitz des stellvertretenden Gemeindevorstehers Spindler zusammen, darunter erstmals mit Luise Gubela, Elise Müller und Martha Steuer 3 Frauen. Auch in anderen, überörtlichen Gremien finden wir erstmals Frauen, z.B. ab 1922 als Geschworene und Schöffinnen bei Gericht.

Nach 1925 waren nur noch zwei weibliche Abgeordnete in die Geschicke der Gemeinde Erkner einbezogen, darunter keine bürgerliche Vertreterin mehr.

Ab der „Kommunalwahl“ im März 1933 gab es keine Frau mehr in der Gemeindevertretung. Gertrud Schöning (SPD) war zwar gewählt worden, konnte aber – wie alle SPD- und KPD-Abgeordneten – ihr Mandat nicht antreten. Wenige Wochen später wurde auch Erkners Gemeindeparlament gleichgeschaltet und aufgelöst.

Frauen in der Gemeindevertretung Erkners 1919-1933

NamePartei, Vereinigung1Gemeindevertreterin von-bis
Gubela, LuiseSPD1919-1920
Müller, EliseBü1919-1919
Steuer, MarthaSPD1919-1922
Wald, FeliciaBü, AUWE1919-19232, 1924-25
Pabst, SophieBü1920-19232
Uliczka, AnnaSPD1920-1924
Benz, MargareteSPD1924-1929
Krägenau, WandaKPD1924-1929
Fitsch, LuiseSPD1929-1932
Partz, ElseKPD1929-1933
Schöning, GertrudSPD1932-33, 19333

1 Bü: Bürgerliche; AUWE: Allgemeiner Unpolitischer Wahlverein – Wahlvereinigungen bürgerlicher Parteien

2 Sophie Pabst und Felicia Wald sind am 14.03.1923 mit allen anderen bürgerlichen Gemeindevertretern aus Protest gegen die gewaltsamen Ausschreitungen in Erkner am 04.03.1923 zurückgetreten.

3 Gertrud Schöning konnte, wie alle am 12.03.1933 gewählten Gemeindevertreter der SPD und KPD, ihr Mandat nicht antreten.

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