Erkners Gemeindeparlament

Schwieriger ist die Einschätzung der politischen Verhältnisse in Erkners kommunalem Parlament, der Gemeindevertretung. In den Protokollbüchern – die für die Zeit ab 1914 weitgehend fehlen – finden sich keine Hinweise auf Parteizugehörigkeit, was durchaus Absicht zu sein scheint. Lediglich Hinweise auf den Beruf oder andere Standesmerkmale erlauben einen gewissen Einblick: Die 18 Mitglieder waren Männer, meist Handwerksmeister, Kaufleute oder Gastwirte, einige Rentiers oder Beamte, aber auch ein Arzt und der Direktor der hiesigen Rütgerswerke. Jedenfalls gehörte kein Arbeiter dazu! Ein Zimmerpolier kommt dem noch am nächsten. Das hier praktizierte Dreiklassenwahlrecht gegenüber den Reichstagswahlen scheint seine Wirkung deutlich zu entfalten. Natürlich können unter diesen Gewählten auch andere als bürgerlich-konservative oder -liberale Parteigänger gewesen sein, aber mit einem größeren Anteil von Sozialdemokraten dürfte wohl unter ihnen nicht zu rechnen sein!

Gemeindevertretung und Gemeindevorstand Erkners 1914

Erkners Gemeindevertretung 1909
Erkners Gemeindevertretung 1909

Nach dem Tod seines Vorgängers Röselmüller (1866-1912, im Amt ab 1909) war im Frühjahr 1913 der langjährige hiesige Gemeindesekretär und Bürovorsteher Wilhelm Möhricke (1884-1931) zum Amts- und Gemeindevorsteher gewählt worden. Seit 1909 war das Amt des Gemeindevorstehers in Erkner besoldet und 1911 mit dem des Amtsvorstehers zusammengeführt. Erkner bildete damit einen eigenen Amtsbezirk. Somit hatte Möhricke auch polizeiliche, standesamtliche und weitere Befugnisse. Auch er war sicherlich den kaisertreuen Konservativen zuzuordnen. 1924 gehörte er zu den Mitbegründern der Ortsgruppe Erkner der rassistischen und antirepublikanischen Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP). 

Mit dem 1. August 1914 änderte sich auch in Erkner das gesamte Leben. …

Erkner im Krieg 1914-1918

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