Über 500 Männer an der Front

NZ, 01.08.1914: Befehl zur Mobilmachung in Friedrichshagen
NZ, 01.08.1914: Befehl
zur Mobilmachung

Ähnlich wie mit diesem Aufruf in der in Friedrichshagen erscheinenden „Niederbarnimer Zeitung“ dürfte auch der hiesige Amts- und Gemeindevorsteher Möhricke den Befehl zur Mobilmachung für Erkners Männer im „Allgemeinen Anzeiger für Erkner“ veröffentlicht haben.

Auch für die Kriegszeit sind nur wenige Informationen aus Erkner überliefert. Über die Ereignisse der ersten Kriegs-Tage und -Wochen in Erkner berichtete hin und wieder die Niederbarnimer Zeitung aus Friedrichshagen. Und auch dort Berichtenswertes dürfte mit einiger Wahrscheinlichkeit hier so oder ähnlich passiert sein:

Dienstag, 28.07.1914• Extrablatt „Österreichs Kriegserklärung an Serbien“
Freitag, 31.07.1914• Extrablatt „Kriegszustand in Deutschland“
Samstag, 01.08.1914• „Das gezückte deutsche Schwert“
• „Die Annahme von Papiergeld ist gestern und heute öfter in den Geschäften verweigert worden.“
• „Ansturm auf die Lebensmittelläden. Die Kriegsgefahr führte in den letzten Tagen – neben anderen Erscheinungen wirtschaftlicher Unruhe – einen ungewöhnlichen Andrang in den Lebensmittelgeschäften herbei. Besonders gestern nachmittag war vielfach ein regelrechter Ansturm zu bemerken. Immer neue Scharen drängten heran, die bis auf die Straße standen. Die Hausfrauen machten große Einkäufe, als gelte es, die Familien für Monate mit Proviant zu versehen. …“
• „Panik der Sparer. Die Creditbank Friedrichshagen, bei der in den letzten Tagen schon ungewöhnlich zahlreiche Abhebungen vorkamen, war heute infolge der kritischen politischen Ereignisse einem förmlichen Sturm seitens der Sparer ausgesetzt. … Die Kassenräume mußten abgesperrt werden und zeitweilig sorgte die Polizei für Aufrechterhaltung der Ordnung. …“
Montag, 03.08.1914• „Schamlose Preistreibereien“
Donnerstag, 06.08.1914• „Notreifeprüfungen an den Seminaren und höheren Schulen“
• „Ausfuhrverbot im Bereiche des Zweckverbandes. Zur Sicherung des Lebensmittelbedarfs in Groß Berlin hat der Oberbefehlshaber in den Marken angeordnet, daß aus dem Gebiet des Zweckverbandes Groß Berlin die Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch verboten ist, soweit es sich nicht um Lieferungen für Militärbehörden handelt. Zum Zweckverbandsgebiet gehören alle Ortschaften der Kreise Niederbarnim und Teltow.“
Samstag, 08.08.1914• „Einquartierung in Erkner. Die Gemeinde Erkner wird am heutigen Sonnabend mit 95 Mann Einquartierung belegt. Die Verpflegung der Mannschaften liegt dem Quartiergeber ob.“
Montag, 10.08.1914• „Erkner als Truppenverpflegungsstation. Der Gemeindevorsteher von Erkner teilte am Sonnabend abend der Friedrichshagener Ortsverwaltung telegraphisch mit, daß der Bahnhof Erkner seit einigen Tagen als Verpflegungsstation für die durchfahrenden Truppen bestimmt ist. Da die Gemeinde aktuell nicht in der Lage ist, so viele Hilfskräfte zu stellen, wie hierzu erforderlich sind, erbat der dortige Gemeindevorsteher die Unterstützung Friedrichshagens. …“
• „Die Binnenschiffahrt ist fast gänzlich zum Stillstand gekommen, teils wegen Mangel an Mannschaften, teils auch dadurch, daß die überseeische Schifffahrt infolge des Kriegszustandes stockt und beispielsweise englische Gaskohlen nicht herankommen. Viele leere Fahrzeuge liegen ohne jede Bemannung unterwegs fest.“
Dienstag, 11.08.1914• „Genehmigung zu Tanzlustbarkeiten wird bis auf weiteres nicht mehr erteilt. Die schon erteilten Genehmigungen werden zurückgezogen.“
Montag, 17.08.1914• „Die Truppen-Erfrischungsstation Erkner, die von der Frauenhilfe und Sanitätskolonne unserer Nachbargemeinde geleitet wird, ist der Schauplatz großer Opferfreudigkeit und einer von vaterländischer Begeisterung getragenen persönlichen Hingabe geworden. …“
Dienstag, 18.08.1914• „Keine Parteien mehr. Im »Vorwärts« lesen wir: »Von heute ab ist auch auf allen Bahnhöfen der Eisenbahn und der Hoch- und Untergrundbahn der ‚Vorwärts‘ erhältlich. Das dem Verkauf bislang entgegenstehende Verbot ist aufgehoben.«“
• „Treibt keinen Kult mit Kriegsgefangenen! Demnächst werden wohl feindliche Gefangene in unseren Festungen, Garnisonen und sonstigen Orten eintreffen. …“
Mittwoch, 26.08.1914• „Die Heilanstalt in Wilhelmshagen, die als Reservelazarett bereit ist, 200 Verwundete aufzunehmen, hat plötzlich, wie sich soeben herausgestellt hat, unter einem sehr argen Übelstand zu leiden. Es ist nämlich auf dem Bahnhof Wilhelmshagen kein totes Gleis vorhanden, das es ermöglichen würde, das Ausladen der schwer Verwundeten in aller Ruhe vorzunehmen. Die für Wilhelmshagen bestimmten Lazarettzüge sollen nun in Erkner halten, damit der Verwundetentransport nach der Heilanstalt von dort aus durch Autos oder durch Wagen geschehen kann. …“

Die Schulchronik der Gemeindeschule ist eine der wenigen erhaltenen Quellen aus Erkner. Diese berichtet über die ersten Kriegsmonate:

„Bis Weihnachten 1914 waren 360 Männer zu den Fahnen einberufen, deren Zahl sich bis 1915 auf über 500 steigerte. Mit Ausbruch des Krieges wurde der Bahnhof Erkner eine Kriegsumladestelle mit einer Verpflegungsstation. Die Verpflegungsstation wurde besorgt vom Frauen-Verein und von der Sanitätskolonne. […] Der Vorortverkehr hörte in den ersten 8 Wochen gänzlich auf, die Frankfurter Züge hielten 6 mal des Tages in Erkner.

Später trat wieder Ordnung ein, aber Anstelle des halbstündlichen Verkehrs trat stündlicher mit Ausnahme des Morgens bis 8 Uhr und Abends 5-8 Uhr. Für unsere in Berlin arbeitenden Personen in der Holzbereitung, im Bauhandwerk und in den Textilfabriken trat Arbeitslosigkeit ein.“

Die genannten 500 Männer sind bei 4200 Einwohnern knapp ein Viertel der gesamten männlichen Bevölkerung bzw. 40 bis 50 % der im „wehrfähigen“ Alter. Sie fehlten nicht nur in den Familien, sondern auch in der Wirtschaft. Nur sehr wichtige Spezialisten in kriegswichtiger Produktion konnten „reklamiert“, also vom Kriegsdienst freigestellt werden.

Soldaten aus Erkner

Soldat aus Erkner mit Familie
Soldat aus Erkner
Soldat aus Erkner
Soldat aus Erkner
Soldat aus Erkner

Schulen im Krieg

Die Schulen litten zunächst vor allem unter dem Personalmangel. An der Gemeindeschule wurden 6 der 10 männlichen Lehrer (von 14 Stellen für ca. 720 Schüler insgesamt) eingezogen. Dafür gab es kaum Ersatz. Erst seit 1902 gab es überhaupt Lehrerinnen in Erkner, die aber zumeist noch nicht im Fachunterricht eingesetzt bzw. ausgebildet waren. Jetzt mussten sie auch diesen übernehmen. Mit Klassenzusammenlegungen und Schichtunterricht sollte zumindest ein Teil der Löcher gestopft werden, was aber noch größere Klassen (normal waren schon vorher über 50 Schüler pro Klasse) bzw. mehr Unterrichtsstunden bedeutete!

Die „vaterländische Erziehung“ bekam einen noch höheren Stellenwert. Die Schulchronik berichtet auch über die Einrichtung einer:

„Jugendkompagnie, bestehend aus Jungmannen im Alter von 16 bis 20 Jahre. Die Kompagnie hat die Nr. 355, Kompagnieführer der derzeitige Rektor. Die Jungmannen erhalten eine militärische Ausbildung.“

Schulen 1914-1918

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