„Heimatfront“

Schon bald holte der Krieg auch die „Heimatfront“ in seiner Grausamkeit ein. Ende August 1914 trafen in Berlin die ersten Verwundetentransporte von den Schlachtfeldern ein. Diese überstiegen bei weitem die Kapazitäten der Krankenhäuser, in unserer Region die in Köpenick und Kalkberge-Rüdersdorf.

Kriegslazarett in der Heilanstalt der Norddeutschen Holzberufsgenossenschaft Wilhelmshagen
Kriegslazarett
Wilhelmshagen

Am 5. August hatte die Niederbarnimer Zeitung (NZ) über den heutigen Ulmenhof gemeldet: „Die Heilanstalt Wilhelmshagen ist für den Kriegsfall in ein Kriegslazarett umgewandelt.“ In den nächsten Wochen wurde in Friedrichshagen ein Fabrikgebäude der Bronzegießerei Gladenbeck in der Ahornallee als Lazarett hergerichtet, in Hirschgarten zwei Restaurants, in Schöneiche Teile des Schlosses oder in Woltersdorf das Sanatorium. Wahrscheinlich gab es auch in Erkner und anderen Nachbarorten entsprechende Einrichtungen. Auch für die Lazarette fehlte es an Personal, weshalb z.B. der Sanatoriums-Leiter in Woltersdorf, Dr. Grabley, Helferinnen ausbildete.

Bereits in den ersten Kriegswochen müssen die Opferzahlen so hoch gewesen sein, dass deren Veröffentlichung stark eingeschränkt wurde. Am 31. August 1914 wurde in der NZ gemeldet: „Der hohen Kosten wegen werden die Verlustlisten nicht mehr in den Zeitungen veröffentlicht.“ Fortan gab es nur noch „öffentliche Auslagen“ bei den örtlichen Behörden.

Lazarettzug Q3

Kurz vor Weihnachten 1914 beschloss der Kreis Niederbarnim die Beschaffung eines Lazarettzuges, zu dessen Finanzierung die Bevölkerung aufgerufen wurde. Wöchentlich gab es mehrfach Erfolgsmeldungen, wie diese am 13. Januar 1915 in der NZ:

„Zur Ausrüstung des Lazarettzuges, den der Kreis Niederbarnim der Militärverwaltung zur Verfügung zu stellen beschlossen hat, hat auch die Stadt Oranienburg beigetragen. Auf Vorschlag der Kriegskommission wurde beschlossen, dem Kreise 2000 M. zur Anschaffung von acht Betten, deren jedes 250 Mark kostet, zur Verfügung zu stellen. […] Die Gesamtkosten des Lazarettzuges belaufen sich auf rund 80.000 M.“

Lazarettzug Q3 (Quelle: Kreiskalender Niederbarnim 1917)
Lazarettzug Q3

Dieser „Lazarettzug Q3“ sollte regelmäßig zwischen Ostfront und Heimat pendeln und bestand aus 38 Waggons, von denen 26 Wagen 256 Betten für Verwundete aufnahmen. Operations-, Apotheken-, Küchen- und weitere Waggons gehörten dazu. Am 10. März 1915 startete dieser Zug erstmals und traf am 13. März in Suwalki (Russland) ein. Nach der Rückkehr konnte die NZ bereits am 20. März 1915 ausführlich über diesen ersten Einsatz berichten.

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