Ohne Frauen ging nichts!
Der Einsatz von Frauen war bei vielen Problemen die einzig mögliche Lösung! Dies war oft Extrameldungen wert und nicht unumstritten. Während z.B. das „Fräulein vom Amt“ – die Telefonistin – längst üblich war, blieben es auch jetzt meist nur die niedrigsten Arbeiten, die man Frauen zugestand. Bereits in der ersten Kriegswoche berichten Berliner Zeitungen, dass
„… die Straßenbahnverwaltung mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden in den nächsten Tagen damit beginnen [wird], den Schaffnerdienst auf den Anhängerwagen versuchsweise durch Frauen […] versehen zu lassen.“ (NZ, 06.08.1914)
Mit zunehmender Kriegsdauer musste auch um Frauen für die Rüstungsindustrie geworben werden, wie in dem Aufruf in der Vossischen Zeitung vom 12.11.1916. Dieser appelliert zwar zunächst für „freiwillige Hilfe“, mündet aber in der „vaterländischen Pflicht jeder deutschen Frau“ zum Einsatz in der Kriegsindustrie!
Später ist z.B. auch der Einsatz von weiblichen Briefträgern Zeitungsmeldungen wert, in denen aber immer deutlich gemacht wird, dass dies nur kriegsbedingte Ausnahmen bleiben sollen. Noch im Sommer 1918 entschied der Innenminister, dass die „Ernennung weiblicher Personen zu Standesbeamten und Stellvertretern unzulässig“ (NZ, 10.07.1918) sei.
Eher selten wird in den Zeitungen über den umfangreichen Einsatz von Frauen in den Fabriken berichtet. In der Chronik der Gemeindeschule Erkner findet sich dieser Hinweis:
„Die Frauen fertigten Granaten, nähten Brotbeutel, Tornister, Helmüberzüge für die Soldaten. Die Kriegerfrauen, welche ausser der Staatsunterstützung und den Kreismitteln, meistens auch von den Arbeitgebern ihrer Männer Unterstützung erhielten, kamen zurecht.“
Sogar im Gleisbau bei der Eisenbahn wurden Frauen eingesetzt, wie Zeitungsberichte z.B. in der in Berlin erscheinenden „Vossischen Zeitung“ vom Zugunglück am 11.11.1916 überliefern. Zwischen Rahnsdorf und Wilhelmshagen war bei der Passage zweier Züge aus Richtung Berlin bzw. Erkner der eine in eine Gruppe Gleisarbeiterinnen gefahren, von denen 19 junge Frauen starben.
Die sterblichen Überreste der Frauen wurden in einem Massengrab auf dem Rahnsdorfer Friedhof beigesetzt. Seit 2005 erinnert wieder ein Gedenkstein und eine Tafel mit den Namen an die 19 Frauen.
Einsatz von Kriegsgefangenen
Kriegsgefangene gehörten bald zum Alltag. In Friedrichshagen wurden sie zum Straßenbau eingesetzt, in Kalkberge Russen in verschiedenen Betrieben oder in Spreenhagen 60 Schotten in der Landwirtschaft. Schon am 18.08.1914 warnte die NZ:
„Treibt keinen Kult mit Kriegsgefangenen! Demnächst werden wohl feindliche Gefangene in unseren Festungen, Garnisonen und sonstigen Orten eintreffen. Die Bewohner, namentlich aber die Frauen, sollen beim Eintreffen der Gefangenen nicht mit Liebesgaben aufwarten, wie das 1870 leider der Fall gewesen.“
Auch in Erkner wurden in verschiedenen Bereichen Kriegsgefangene eingesetzt, was aber meist nur indirekt überliefert ist. So erfahren wir aus dem in Bernau erschienenen Niederbarnimer Kreisblatt vom 30.01.1917:
„Am 21. Januar d. Js. […] ist der russische Kriegsgefangene Sergei Gritschichin vom Arbeitskommando der Oberförsterei Erkner aus seinem Unterkunftsort Erkner entwichen.“
Am 9. Februar wurde seine Ergreifung vermeldet.
Hinweise auf ein in der Pfälzer Straße/Ecke Waldstraße (heute Heinrich-Heine-Straße) eingerichtetes Lager für italienische Kriegsgefangene liegen durch einen Kontrollbericht des Internationalen Roten Kreuzes vor.
Dieses Gebäude wurde wahrscheinlich auch im 2. Weltkrieg als Lager für Kriegsgefangene bzw. Zwangsarbeiter genutzt.
Über den Einsatz von Kriegsgefangenen im Teerwerk erfahren wir etwas aus einem Kaufantrag an die Gemeinde vom Oktober 1917 wegen der
„Überwachung der ein- und ausgehenden Personen, der Kriegsgefangenen und civilinternierten ausländischen Arbeiter […]“


