Zusammenstöße in Erkner

Als im Frühjahr 1923 der Landwehr- und Kriegerverein Erkner sein 50. Gründungsjubiläum begehen wollte, kam es zu massiven Protesten gegen die oft militaristischen und monarchistischen Reden, Symbole und Gesänge, die sich am 4. März 1923 an der Kirche zu teilweise tätlichen Auseinandersetzungen zuspitzten.

Mehrere Tage berichtete auch die überregionale Presse über diesen Zwischenfall in Erkner, je nach Ausrichtung mit dem Titel „Kommunistenüberfall in Erkner“, „Kommunistische Ausschreitungen“, „Kommunistenkrawall“, „Aufruhr in Krähwinkel“ usw. Die Berichte waren oft tendenziös und widersprachen sich in diversen Details, so dass heute der tatsächliche Ablauf kaum noch nachvollziehbar ist!

In den folgenden Wochen gab es u.a. in Erkners Gemeindevertretung heftige Diskussionen wegen der Ereignisse. Die bürgerlichen Gemeindevertreter warfen denen der SPD Mitverantwortung für die Ausschreitungen vor. Die SPD hatte zwar im Vorfeld zu Protesten gegen den Aufzug des Vereins mit aufgerufen, sich aber von den gewalttätigen Übergriffen klar distanziert. Allerdings warf sie dem Verein vor, durch die Art seines Auftretens die Proteste provoziert zu haben:

„Auf jeden Fall wären alle Vorkommnisse vermieden worden, wenn es der Kriegerverein Erkner in den Zeiten außenpolitischer Hochspannung seinerseits vermieden hätte, eine öffentliche Kundgebung zu veranstalten, die nicht im Sinne der Republik lag.“ (AAE, 21.03.1923)

AAE, 14.03.1923: Rücktritt aller bürgerlichen Gemeindevertreter
AAE, 14.03.1923

Wichtigste Konsequenz dieser Zusammenstöße war Mitte März der Rücktritt aller bürgerlichen Abgeordneten des Gemeindeparlaments von Erkner, inklusive ihrer Vertreter, wie sie im AAE am 14. März 1923 annoncierte:

„Mitbürger!
Die unterzeichneten Schöffen und Gemeindevertreter können nicht weiter mit Personen für das Wohl der Gemeinde arbeiten, die an Umzügen teilnehmen, welche in Landfriedensbruch, Überfälle und Straßenraub ausarten. Wir verlangen, daß der ruhige Staatsbürger, welcher politischen Richtung er auch angehören möge, gegen derartige ungeheuerlich Bedrängungen vom Staat unbedingt geschützt wird. Wir lehnen es auch ab, über diese Verbrechen in mündliche Diskussionen einzutreten und überlassen die Bestrafung dem ordentlichen Gericht. …“ (AAE, 14.03.1923)

Damit bestand Erkners Gemeindeparlament bis zur nächsten regulären Wahl am 4. Mai 1924 ausschließlich aus sozialdemokratischen Abgeordneten, die 50 % aller Sitze innehatten.

AAE, 20.12.1923
AAE, 20.12.1923

Über den Abschluss des Gerichtsprozesses wegen der Ereignisse am 4. März 1923 in Erkner berichtete der AAE am 20.12.1923 die Verurteilung eines von rund 40 Angeklagten:

„In dem Kommunistenkrawall gegen den Landwehr-Krieger-Verein Erkner am 4. März d. Js. stand gestern Termin gegen 4 Angeklagte: Mörsel, Lupe, Heinrich und Frommholz vor dem Landgericht 3 in Berlin an. Verurteilt wurde der Angeklagte Mörsel zu 6 Monaten Gefängnis, die anderen drei wurden freigesprochen. Gegen eine große Zahl von Personen (etwa 40) wurde schon im Laufe der Voruntersuchung das Verfahren eingestellt.“

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