Handel
Schon 1914 hatte Erkner laut Adressbuch eine große und breitgefächerte Zahl von Händlern und Handwerkern, die den größten Teil des alltäglichen Bedarfs befriedigten. Lebensmittel wurden von mindestens 5 Kolonialwarenhändlern angeboten, darunter auch von einer Frau: Emma Oesterreich. Dazu kamen noch 4 Gemüseläden, 6 Bäcker- und 5 Fleischermeister.

Friedrichstr. 32

Beuststr. 1

Friedrichstr. 13

Herzberg, Friedrichstr. 69
Während der größte Teil der handwerklichen Bäcker- und Fleischerbetriebe auch noch 1944 existierten, wechselten die reinen Händler häufiger. Es kamen aber auch zahlreiche neue hinzu, wie die Geschäfte am Siedlerplatz oder mit dem Bezug der ersten Gewoba-Wohnungen an der Ahornallee ab 1931. So das Lebensmittel- und Gemüsegeschäft von H. Janisch Anfang 1932 (zunächst im Haus Buchhorster Straße 26, ab Ende 1934 im eigenen Haus Nr. 24) und die „Kupferhaus-Bäckerei“ von H. Genschow 1933.

Handlung,
Siedlerplatz 6

Gemüse H. Janisch

im Kupferhaus, H.
Genschow

Die meisten Lebensmittel-Firmen befanden sich aber weiter in der Ortsmitte an der Friedrichstraße bis zur Königstraße (Breitscheid-Straße). Im Branchenverzeichnis von 1928 sind im Lebensmittelbereich 63 Firmen (1939: 60) zu finden, inkl. der je 6 Bäcker und Fleischer. Der überwiegende Teil davon sind die 23 Kolonialwarenhändler, die 1939 sicher unter den 35 Lebensmittelläden zu finden sind. Dazu kommen noch einzelne Spezialgeschäfte, vom Konfitüren- bis zum Essighändler, vom Kaffeegeschäft bis zur „Sauerkohlfabrik und Gurkeneinlegerei“.
Besonders auffällig ist in den 1920er Jahren das Auftreten von überregionalen Lebensmittel-Einzelhandels-Ketten und -Vereinen. Wahrscheinlich beginnend mit dem Beamten-Wirtschafts-Verein etablierten sich Geschäfte von Bolle, Kaiser‘s, EDEKA, Meyer und der Konsumverein an der Friedrichstraße. Letztere beiden bald auch mit Läden in der Bahnhofsiedlung. Daneben gab es auch kleinere, regionale Filialbetriebe mit Geschäften in mehreren Nachbarorten, wie Ehmke, EGONA oder Butter-Haus „Dania“.

Beamten-
Wirtschafts-Vereins

Bahnhofsiedlung

Edeka

Auch außerhalb der Lebensmittelbranche gab es eine Vielfalt unter diesen 40 Händlern Erkners. Dabei ragten 1928 besonders die 8 Tabakwaren- (1939: 10 und sogar 3 Großhändler), 6 Kohlen- und 4 Eisenwarenhandlungen (1939: 4 bzw. 3) heraus. Es gab auch 3 Nähmaschinen- und jeweils 2 Buch-, Farben-, Möbel, Papierwaren- und Porzellanläden.

Großhandel P. Renner

Handel

G. Braun

Fiedler, Uhren &
Schmuck O. Katt
In der Bekleidungsbranche (1928: 55, 1939: 45 Firmen) waren die Anbieter meist noch produzierende oder reparierende Handwerker. Hier ragten besonders die Schneiderstuben oder -Ateliers heraus (1928: 29, 1939: 23) und die 11 Schuhmacher oder Schuster („Besohlanstalten“). Nur 2 von diesen hatten auch ein Schuhgeschäft, boten also Konfektionsware an. Diese verbreitete sich auch bei den Textilien erst langsam. 1914 fand man nur 5 derartige Anbieter in Erkner, darunter 2 als Waren- oder Kaufhaus bezeichnete (wohl eher wegen des etwas breiteren Sortiments als wegen der Geschäftsgröße): Levin bzw. Sontheim. Letzteres wurde übrigens von Frau Luise Sontheim geführt, wie auch die anderen: das Putzgeschäft (geboten wurde alles zum modischen Herausputzen) von Frau Anna Schambin und je ein Wäschegeschäft durch Gertrud bzw. Käthe Schramm.

Schuhgeschäft K.
Brüsewitz

Textilien

Sontheim

Herrenbekleidung
C. Teichmann
1928 wurden explizit 3 Konfektionsgeschäfte genannt (Levin, Prawitz, J. Schulz), 4 weitere boten Weiß- und Wollwaren und 3 Textilwaren an, von denen die beiden Letzteren jeweils 2 Frauen gehörten.
Das Geschäft von J. Schulz verdeutlicht den Wandel:
Im Adressbuch von 1914 wird in der Friedrichstraße 54 (auch als Hauseigentümer) der Schneidermeister Carl Teichmann genannt. Spätestens 1922 bewirbt er dort sein „Geschäft für Damen- und Herrenbekleidung“. 1928 findet sich dort das „Kaufhaus J. Schulz vorm. Carl Teichmann, Konfektion“ in der Ortspresse. 1934 hat dieses als „Kaufhaus Paul Hasse“ wieder einen neuen Eigentümer.

