Gegner der Demokratie
Erster Höhepunkt der Konflikte in den Krisenjahren 1920-23 wurde der sogenannte Kapp-Putsch gegen die gewählte Regierung im März 1920. Dem Aufruf zum Generalstreik gegen diesen Putsch, zur Verteidigung der Republik und Demokratie – der in den größten Streik der deutschen Geschichte mündete – wurde auch in Erkner und Woltersdorf in mehreren Betrieben gefolgt. Gemäß einer „Nachweisung über einen Streik“ vom 3. Juli 1920 streikten vom 13.–22. März 1920 in Woltersdorf und Erkner etwa 75–80 Beschäftigte (davon 18 unter 21 Jahren) in etwa 7 Betrieben (u. a. Straßenbahn, Elektrizitätswerk, Gemeindeamt, Chemische Fabrik, Bau, Schiffbau). In 3 Betrieben kam es zum völligen Stillstand. (BLHA, 41 Woltersdorf/NB 39)
In Köpenick beteiligten sich Erkneraner am dortigen „Sozialistischen Verteidigungskomitee“ unter Alexander Futran, von dem viele beim „Köpenicker Blutsonntag“ am 21. März 1920 Opfer von Freikorpstruppen wurden. Als einer der Führer dieser Kampfgruppen wurde „für Erkner Göring …“ überliefert (Lüdersdorf, 2000), bei dem es sich wahrscheinlich um Hans Göhring handelte.
Im Frühjahr 1921 bildeten sich in Erkner Ortsgruppen der konservativ-monarchistischen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und des rechtsextremen Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutzbundes (DVSTB), in dessen Umfeld auch die ersten Hakenkreuze im Ort auftauchten.
Wahrscheinlich gab es auch schon vorher Vertreter und Anhänger solcher und auch anderer politischer Strömungen. Jetzt begannen sie aber, sich auch im Ort zu organisieren. Leider fehlen uns oft entsprechende Informationen aus dieser Zeit, da uns z. B. der Allgemeine Anzeiger für Erkner erst ab April 1922 in größerer Zahl überliefert ist.
Besonders der Deutsch-Völkische Schutz- und Trutzbund trat bereits früh offen antisemitisch auf. Er war in die Serie politischer Attentate und Morde gegen – insbesondere jüdische – Repräsentanten der Republik verstrickt, denen u.a. Außenminister Walter Rathenau am 24. Juni 1922 zum Opfer fiel. Dieser Mord löste auch in Erkner starke Proteste aus, die z.B. die Absetzung der Ende Juni 1922 geplanten Vorführungen des Films „Federicus Rex“ im Kino „Lichtspiele Erkner“ durchsetzte, da diese gern von rechten Gruppen für Provokation genutzt wurden.
Verbote dieser Organisationen führten zu diversen Neugründungen, in Erkner z.B. Deutsch-Nationaler Jugendbund oder völkischer Block „Olympia“.

