Kommunalwahl 1919

Schwieriger ist heute die Einschätzung der Situation nach der Wahl zur Gemeindevertretung Erkners am 23. Februar 1919, da uns diese Ergebnisse nicht überliefert sind! Nur indirekt können einige Schlüsse gezogen werden:

Gewählt wurden jetzt 18 Gemeindevertreter – und erstmals auch Gemeindevertreterinnen – nach dem gleichen neuen Wahlrecht wie zur Wahl der Nationalversammlung. Gemeindevorsteher und Schöffen blieben zunächst noch im Amt. Da sich der Gemeindevorsteher Möhricke hatte beurlauben lassen, führte der 1. Schöffe Spindler die Geschäfte und leitete somit auch die Wahlen in Erkner.

Neue politische Verhältnisse in Erkner

Aus vorliegenden Zeitungsberichten von 1923/24 (in Vorbereitung der nächsten Wahl am 4. Mai 1924) und anderen Dokumenten ergibt sich, dass es in Erkner 1919 zu einem Patt zwischen MSPD und bürgerlichen Parteien gekommen war. Beide Gruppen stellten jeweils 9 Gemeindevertreter. Die USPD erreichte kein Mandat, die kürzlich gegründete KPD trat zunächst prinzipiell nicht zu Wahlen an. Die Verteilung der 9 bürgerlichen Mandate auf Parteien ist unklar.

Gemeindevertreter Erkners 1919-24
Kommunalwahlen Erkner 1919-33

Nur einer der vor 1919 bekannten Gemeindevertreter wurde wiedergewählt: Baumeister Richard Habel, der seit 1910 im Gemeindeparlament saß.

Unter den 17 Neugewählten waren erstmals 3 Frauen: Luise Gubela, Elise Müller und Martha Steuer, denen aber nach ihrem vorzeitigen Ausscheiden zwischen 1920 und 1923 Felicia Wald, Anna Uliczka und Sophie Pabst gefolgt waren. Die Gründe für diese Wechsel sind heute meist unbekannt, waren aber auch unter den Männern vorgekommen. Über die ersten Gemeindevertreterinnen Erkners sind kaum Informationen überliefert. Lediglich Felicia Wald lässt sich etwas genauer einordnen.

Frauen in der Gemeindevertretung Erkners 1919-1933

Aus dieser fast völlig neuen Zusammensetzung der Gemeindevertretung ergab sich eine stark veränderte soziale Struktur, die sich aber lediglich anhand der wenigen vorhandenen Adressbücher für Erkner und auch nicht für alle ermitteln ließen. Unter den bürgerlichen Abgeordneten dominierten weiterhin Handwerksmeister und Kaufleute, hinzu kamen Angestellte/Beamte, Lehrer sowie der Ingenieur und Besitzer der Maschinenfabrik Schmidt. Mit den Sozialdemokraten gab es jetzt auch erstmals Arbeiter, Facharbeiter und Handwerksgesellen im Gemeindeparlament, aber auch Kaufleute, Angestellte und mindestens eine Witwe.

Zu den wichtigsten Aufgaben gehörten die Sicherung der Versorgung, die besonders in der Zeit der galoppierenden Inflation 1922/23 extrem schwierig war. Heftige Diskussionen gab es um die Umsetzung neuer politischer Rahmenbedingungen, z.B. in Fragen der Steuern und öffentlichen Ordnung, öffentlicher Wohlfahrt oder zur Umgestaltung der Schulen.

Inflation 1922/23
Schulen 1919-1932

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