Karl Tietz und Richard Wollank
Inzwischen gab es auch in Erkner neben dem kommunistischen „Roten Frontkämpferbund“ (RFB) seit 1924 eine Ortsgruppe des SPD-nahen republikanisch gesinnten „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“, besonders in der Bahnhofsiedlung. Mit einer eigenen Ortsgruppe des Deutschen Ostbundes e.V. entstand 1925 in Erkner eine einflussreiche Organisation der Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten. 1926 bildete sich eine Ortsgruppe des antirepublikanischen „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“.
Am 25. Juni 1927 fuhren Mitglieder des Reichsbanners aus Erkner auf einem offenen Lastkraftwagen zu einem Fest des Reichsbanner-Gaus Berlin-Brandenburg nach Frankfurt (Oder). Während der Durchfahrt durch die Ortschaft Arensdorf kam es zu einem heftigen Streit mit den Anwohnern. Plötzlich fallen mehrere Schüsse. Der Schütze, der 28-jährige August Schmelzer, ist der Sohn eines örtlichen Landwirtes und Mitglied des rechtsextremen Frontsoldaten-Bundes Stahlhelm. Schmelzer verletzt dabei neun Mitglieder des Reichsbanners schwer. Karl Tietz erliegt noch auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen. Wenige Wochen später erlag auch Richard Wollank am 20. Juli seinen Verletzungen.
Das Reichsbanner organisierte große Trauerfeiern, u.a. auf dem Schulhof der Gemeindeschule. Tietz und Wollank wurden nebeneinander auf dem Friedhof in Erkner beigesetzt wurden. Am 19. August 1928 wurde ein vom Reichsbanner gestifteter Doppelgrabstein auf dem Friedhof feierlich enthüllt.
Neue Parteien und Vereinigungen
Im Umfeld der Reichstagswahl im Mai 1928 kam es wieder zu verstärkten politischen Aktivitäten in Erkner. So gründete sich ein „Zentrums-Verein“ zur Unterstützung der katholischen Zentrums-Partei unter der Leitung des Kaufmanns Germanus Theiss. Bürgerliche Kräfte schlossen ein neues Bündnis: die „Bürgerliche Vereinigung“ (BV).
Ein jahrelanger Streit hatte sich um den Bau eines „Kriegerdenkmals“ entfacht, das dann am 17. Juni 1928 als „Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges“ am Hohenbinder Weg eingeweiht wurde. Es diente häufiger Konservativen und rechten Kräften für Aufmärsche mit nationalistischen und kaisertreuen Reden, Fahnen und Gesängen.
Aus verschiedenen völkischen Gruppierungen bildete sich Mitte 1928 eine Ortsgruppe der NSDAP mit zunächst 10 Mitgliedern unter Führung des Drogisten Alfred Weidlich. Im Herbst 1929 entstand hier auch – als letztem Ort (neben Beelitz) mit über 5000 Einwohnern im Regierungsbezirk Potsdam – eine SA-Einheit.




