Wachsende Radikalisierung
Trotz aller Bemühungen war die Not für die meisten Erkneraner groß, was auch in zunehmende Radikalisierung mündete. Im Mai 1932 konnten sich die Abgeordneten nicht mal über einen Haushaltsentwurf einigen, so dass Erkner einem Staatskommissar unterstellt werden musste, der die abgelehnten Steuererhöhungen auf Landesniveau durchsetzte!
Entwicklung Arbeitslosigkeit in Erkner 1928-32
Wahlen 1932
In Vorbereitung der Reichspräsidentenwahl und zwei Reichstagswahlen 1932 waren wieder zunehmende Aktivitäten der Parteien und politischen Gruppierungen zu verzeichnen, vor allem durch Versammlungen, Aufmärsche und oft ausufernde Zettel- und Plakatklebeaktionen, teilweise auch mit tätlichen Übergriffen.
Nach dem besonders schwachen Abschneiden der NSDAP bei der Reichstagswahl 1928 mit 68 Stimmen in Erkner hatte die kurz darauf gebildete hiesige Ortsgruppe es bei der Wahl 1930 geschafft, bedeutend mehr Wähler auf ihre Seite zu ziehen, nämlich 815! Das konnte sie am 31. Juli 1932 mit 1969 Stimmen nochmals mehr als verdoppeln. Damit wurde in Erkner erstmals die SPD überflügelt, obwohl diese mit 1916 Stimmen ihre bisher höchste Stimmenzahl erzielte. Das gelang auch der KPD, die mit 1054 Wählern auf den dritten Platz kam.
ZA: AAE, Wahlwerbung 1932
Wahlen zum Reichstag 1919-1933
Dies blieb bei der 2. Reichstagswahl des Jahres am 6. November 1932 tendenziell ähnlich, wenn auch mit erheblich geringerer Wahlbeteiligung. Die SPD konnte zwar wieder den Spitzenplatz erreichen (29,7 %), aber lediglich mit 35 Stimmen vor der NSDAP (29 % gegenüber 33,8 im Juni). Die KPD verbesserte sich nochmals auf 19,2 %. Da auch die DNVP ihr Ergebnis von nur 10,2 im Juni wieder auf 17,1 % heben konnte, hatten mehr als die Hälfte der Erkneraner Wähler ihr Kreuz bei antiparlamentarischen Parteien gemacht!