„Kommunalwahl“ am 12.03.1933
Gegenüber der Reichstagswahl im Herbst 1932 gab es in Erkner bei der „Kommunalwahl“ am 12. März 1933 zwar klare Veränderungen. Die NSDAP konnte deutlich (29,0 auf 38,6 %/7 Sitze) und die Kampffront* leicht zulegen (17,1 auf 20,8 %/4 Sitze), die SPD verlor leicht (29,7 auf 27,7 %/5 Sitze) und die KPD stark (19,2 auf 10,8 %/2 Sitze). Trotzdem blieb die NSDAP deutlich von der absoluten Mehrheit entfernt!
* Die „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ war ein im Februar 1933 geschlossenes Wahlbündnis der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) mit dem Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten, die beide seit dem 30. Januar 1933 an der Regierung Hitlers beteiligt waren.
Ergebnis der Kommunalwahl in Erkner 12.03.1933
Aufschlussreich ist der Vergleich der Wahlergebnisse vom November 1932 und März 1933 in Erkner. Gegenüber der Reichstagswahl 1933 gab es bei der Kommunalwahl einen deutlichen Rückgang der Wählerzahl. Während SPD, Zentrum und besonders die KPD tendenziell an Wählerzuspruch verloren, machten die Erkneraner innerhalb einer Woche zwischen den beiden 1933er Wahlen offensichtlich klare Unterschiede bei der NSDAP und der Kampffront auf der Reichs- und der lokalen Ebene:

Spätestens jetzt wurde offenkundig die Kampffront-Führung zum Gegner der NSDAP, obwohl die „nationalen Verbände“ Erkners noch Anfang März ihre Einheit zu demonstrieren versuchten, wie die nebenstehende halbseitige Anzeige im AAE zeigt.
Besonders Erkners einflussreicher und sehr erfahrener Bauunternehmer Richard Habel (seit 1910 Gemeindevertreter, ab 1919 Schöffe) war nun die Zielscheibe. Als er (neben Franz Kieser) von der Kampffront wieder als Schöffe aufgestellt wurde, empörte sich die NSDAP massiv darüber und diffamierte ihn.
Zum Zusammenstoß kam es am Abend des 19. April 1933. Die geplante Gemeindevertretersitzung mit Schöffenwahl musste wegen Beschlussunfähigkeit abgesagt werden, da unmittelbar vor dem Sitzungsbeginn im „Märkischen Hof“ mehrere Abgeordnete der SPD sowie der ebenfalls von der Kampffront als Schöffe aufgestellte Franz Kieser von SA-Hilfspolizei verhaftet worden waren. Die KPD-Abgeordneten waren schon seit Wochen inhaftiert. Kurz vor Ende der Sitzung zog ein bewaffneter „Stahlhelmtrupp in Stärke von etwa 80 Mann“ am Versammlungs-Lokal (schräg gegenüber dem heutigen Rathaus) auf, um NSDAP-Vertreter am Verlassen zu hindern. Noch vor dem Eintreffen der Polizei konnte durch Amts- und Gemeindevorsteher Lübkes die Situation entspannt werden. In der Nacht wurden die beiden Stahlhelmführer Dr. Florenz und Dr. Kiekebusch jun. für Stunden u.a. von SA-Hilfspolizisten verhaftet.
In den nächsten Tagen legte Habel sein Mandat nieder. Von der Kampffront wurde der bereits vorher von der NSDAP „empfohlene“ Bruno Schmitz aufgestellt und am 27. April gemeinsam mit drei NSDAP-Vertretern zum Schöffen gewählt. Die gewählten KPD- und SPD-Abgeordneten blieben verhaftet oder traten ihr Mandat nicht an. Inzwischen war auch reichsweit der „Stahlhelm Hitler unterstellt“, also gleichgeschaltet worden.
Diese scheindemokratische Legitimität endete spätestens mit dem preußischen Gemeindeverfassungsgesetz vom 15. Dezember 1933. Dadurch wurde in Erkner dem nun „Gemeindeschulze“ genannten Lübkes die „ausschließliche Verantwortung für alle Entscheidungen als Leiter der Gemeinde“ übertragen. Er und die nur noch beratend wirkenden „Schöffen und die Beigeordneten werden vom Staat auf zwölf Jahre berufen“.
