Gleichschaltung und „Säuberungen“

AAE, 03.04.1933
AAE, 03.04.1933

Auch in anderen Bereichen setzte die NSDAP ihren Machtanspruch mit allen Mitteln durch. Schon am 30. März war die „Presse zur nationalen Disziplin“ verpflichtet worden. Bereits vor der Zerstörung der Freien Gewerkschaften im Mai waren bei den Betriebsratswahlen in Erkners Großbetrieben Bakelite und Rütgerswerke fast nur noch NS-Kandidaten aufgestellt, besonders bei den Angestellten. Lediglich in der Rütgers-Arbeiterschaft gab es noch Kandidaten der Freien Gewerkschaften, die sogar die Stimmenmehrheit holten!

Die Beamtenschaft wurde per Gesetz vom 7. April „gesäubert“, wodurch z.B. Rektor Bork und Lehrer Dames (beide SPD) bald entlassen wurden. Ohnehin spielte die möglichst schnelle Durchsetzung der NS-Ideologie in den Schulen eine besondere Rolle. Wenige Tage nach der Bücherverbrennung in Berlin meldete der AAE am 17. Mai, dass in der Volks- und der Schulbibliothek „aufgrund einer von oben gekommenen Liste Bücher“ entfernt wurden. Vereine wurden verboten oder in NS-Organisationen gleichgeschaltet. Diese sogenannten „Gliederungen“ breiteten sich in alle Alltagsbereiche aus.

Selbst vor den Kirchen wurde nicht Halt gemacht. In Erkner musste die evangelische Gemeinde der offen rassistischen, antisemitischen und am Führerprinzip orientierten Glaubensbewegung „Deutsche Christen“ die Tore ihrer Kirche und des gerade eingeweihten Luthersaals öffnen.

Schon zu den kurzfristig angesetzten Kirchenwahlen am 23. Juli 1933, bei denen Hitler deutlich für diese Strömung Partei ergriff, wurde in Erkner lediglich eine „Einheitsliste Deutsche Christen“ aufgestellt! Jeweils den ersten Listenplatz hatten Erkners NS-Führer inne: für den Gemeindekirchenrat der derzeitige NSDAP-Ortsgruppenleiter Willi Brüning und für die Gemeindevertretung der zukünftige Ortsgruppenleiter Max Sonntag!

Ende November 1933 fand man im AAE dann sogar die untenstehende Anzeige der Glaubensbewegung „Deutsche Christen“ OG Erkner mit Kreuz und Hakenkreuz!

Einweihung des Luthersaals am 23.04.1933
Einweihung des
Luthersaals
AAE, 22.04.1933, Ausschnitt
AAE, 22.04.1933,
Ausschnitt
AAE, 22.07.1933
AAE, 22.07.1933
AAE, 29.11.1933
AAE, 29.11.1933

Umbenennungen

Auch symbolische Akte spielten in Erkner eine Rolle. Neben der fast inflationären Beflaggung mit der alten kaiserlichen Reichs- und der neuen Hakenkreuzfahne mehrten sich Vorschläge für Umbenennungen, wie in der Bahnhofsiedlung zu einem „Adolf-Hitler-Platz“ bzw. einer „Göring-Straße“. Gerade dort sicher auch als Zeichen in der bisherigen SPD- und Reichsbanner-Hochburg Erkners. Dies wurde nur durch eine zentrale Anordnung gegen die Massenumbenennungen verhindert. Solche Benennungen sollten zukünftig auf Neubauten bzw. die Beseitigung von unliebsamen Namen aus der Weimarer Republik beschränkt bleiben (AAE, 28.04.1933).

Anders sah es mit dem Sportplatz aus, der am 21. Mai 1933 den Namen eines 1926 bei einer Kneipenschlägerei in Altlandsberg getöteten SA-Mannes, dem im Kreis Niederbarnim die Rolle eines Horst Wessel zugeschrieben wurde, erhielt: „Fritz Renz-Sportplatz“. Auch das 1937 aus dem ehemaligen Gewerbehof am Bahnübergang in der Beuststraße umgebaute SA-Haus wurde zum „Fritz Renz-Haus“. Zu dieser Zeit (etwa ab 1936) trug der neugeschaffene Platz an der Kreuzung Bahnhof-, Lade- und Berliner Straße und der Auffahrt zur neuen Straßenbrücke den Namen „Platz der SA“.

Auf den ersten Blick weniger politisch motiviert erscheint die Umbenennung des Siedlerwegs. Aber die Begründung dafür verrät mehr! Am 22. November 1935 konnte man im AAE den Artikel „Der Siedlerweg soll in Zukunft Ostlandstraße heißen“ lesen. Der Vorstand der Siedlergenossenschaft hatte 33 Vorschläge für die Umbenennung erhalten. Offenkundig hatte es dazu einen Aufruf gegeben.

„Nach reiflicher Überlegung entschloß man sich, dem Siedlerweg einen Namen zu geben, der der bestehenden Eigenart der Namensgebung der Straßen in der Siedlung angepasst und der auch für die Gegenwart wertvoll ist. Da der Blick des deutschen Volkes in den nächsten Jahrzehnten mehr als bisher nach dem Osten gerichtet sein muß, und da die einstigen Besiedler unserer Gegend, die Semonen, im Ostland wohnten, faßte man den Entschluß, den Siedlerweg in Ostlandstraße umzubenennen.“

Gleichzeitig sollte der bisherige Grenzweg rechterhand am Ende des Fichtenauer Weges den Namen „Am Wachtelschlag“ erhalten. In der Sitzung des Gemeinderats am 16. Dezember 1935 wurde beiden Umbenennungen zugestimmt. Allerdings ist von der Umwandlung des Siedlerplatzes in „Ostlandplatz“ keine Rede!

Ob es tatsächlich auch eine Umwandlung der bisherigen Königstraße (heute Breitscheid-Straße) in „Straße der NSKK“ – nach dem Gelände dieses NS-Kraftfahrkorps‘ in der Nr. 50 – gab, lässt sich bislang nicht belegen.

Im Vergleich zu anderen Orten gab es in Erkner also nur wenige Umbenennungen.

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