Erkner 1934-1939
Im Laufe des Jahres 1933 war Erkner gleichgeschaltet worden. Alle Institutionen, von der Gemeindeverwaltung bis zu den Vereinen waren von der NSDAP vereinnahmt bzw. aufgelöst oder verboten. Die Partei und ihre sogenannten Gliederungen griffen sehr tief in das Leben der Erkneraner ein.
Deutlich zeigt sich z.B. eine enge Verflechtung zwischen Gemeinde und Partei. Nicht nur dass jeder Funktionsträger „Pg.“, also Parteigenosse, war. So waren in der Gemeindevertretung bald alle Vertreter der Kampffront verdrängt. Unter den mit der 1935 eingeführten zentralistischen „Deutschen Gemeindeordnung“ neu ernannten jetzigen „Gemeinderäten“ und Schöffen waren ausschließlich NSDAP-Vertreter. Gemäß dem Führerprinzip wurden alle ehemals von den Bewohnern wählbaren Kommunalvertreter ausschließlich „von oben“ eingesetzt.
„Gemeindevertretungen“ in Erkner ab 1933
Auch die Arbeit der Gemeindeverwaltung war eng mit der der Partei verwoben. Ohnehin übten die
NSDAP-Ortsgruppenleiter – anfangs noch Robert Klentz, ab 1934 wieder Max Sonntag – die eigentliche Macht aus. Ab 1939 gab es sogar drei NSDAP-Ortsgruppen in Erkner und somit neben Sonntag (OG Neuseeland, mit Karutzhöhe) noch Willi Brüning (OG Erkner-Alt) und Franz Ansorge (OG Bahnhofsiedlung) als Ortsgruppenleiter. Denen hatte sich auch Lübkes, der ab 1935 – wie alle Leiter von Kommunen – den Titel „Bürgermeister“ trug, zu fügen.
Die NSDAP nutzte in vielen Fällen mit ihren Gliederungen Räume und Gebäude, die zuvor auf Kosten der Gemeinde gekauft oder gemietet wurden. Dazu gehörte z.B. das „Parteihaus“ in der Baracke der ehemaligen katholischen Marien-Kapelle (heute Gerhart-Hauptmann-Straße), das SA-Haus in der Beuststraße, das „Haus der Hitlerjugend“ in der Uferstraße oder das HJ-Heim am Karutzsee.

