Erkners erstes Rathaus

Blockwarte und Luftschutz

Im April 1934 wurde die Liste der 11 „Blockwarte und ihrer Reviere“ bekanntgegeben. Sie waren die rangniedrigsten Funktionäre der NSDAP und dienten vor allem der Durchsetzung und Kontrolle von Anordnungen usw. in den Wohngebieten. Ihr Vorgesetzter Zellenwart war Wilhelm Lüdemann.

Fliegerbombe als Luftschutzmahnmal (links nahe Bildrand)
Luftschutzmahnmal

Eine besondere Rolle spielten die Blockwarte bei den Kampagnen „Luftkrieg droht, Luftschutz tut not!“ mit Brandschutz- und Verdunklungsübungen, die bald bitterer Ernst wurden. Bereits am 21. April 1933 hatte es einen ersten ganzseitigen Beitrag zu diesem Thema im AAE gegeben, dem ähnliche ca. monatlich folgten. Auf die Gründung eines Reichsluftschutzbundes Ende April entstand auch in Erkner am 9. Mai 1933 eine Ortsgruppe, über deren Arbeit häufiger berichtet wurde.

In einem Artikel über den Baubeginn der Reichsbahnhäuser vom 22. Januar 1934 wurde nicht nur geschildert, dass ein „Häuserblock in 3 Gruppen mit je einer Front nach der Berliner-, Hafen- und Hessenwinklerstraße“ errichtet wird, sondern auch, dass in dem Neubau „ein moderner Luftschutzbunker angelegt werden“ soll. Sonst war meist nur von Luftschutzkellern die Rede, wie im Gemeindeamt in der Friedrichstraße 10 oder in Nr. 76. „Besucht die Luftschutz-Ausstellung in Erkner, Hotel ‚Märkischer Hof‘ vom 18. bis 24. Februar 1934“ hieß es am 7. Februar 1934. Diese Ausstellung wurde von viel Propaganda begleitet und zu ihrer Eröffnung am Platz an der neuen Straßenbrücke (heute Friedensplatz) ein Luftschutzmahnmal aufgestellt – in Form einer Fliegerbombe! – Die Bevölkerung wurde also systematisch auf einen möglichen Krieg vorbereitet, in dem Deutschland „selbstverständlich“ nur ein Opfer sein könne.

Mit dem Kriegsbeginn 1939 setzte dann der Ernstfall ein. „Erkner ist bereit“ ist ein Kurzgespräch mit dem Bürgermeister im AAE vom 4. September überschrieben, in dem über die Arbeiten am Eingang der Siedlung am Fichtenauer Weg am ersten Kriegswochenende berichtet wurde: „Die gesamte Gefolgschaft der Gemeindeverwaltung schippte. Ein Sammelschutzraum wurde gebaut.“ Weitere Schutzräume sollten bei der Theodor-Fontane-Schule (heutige Smolka-Straße), zwischen Post und Warmbad (nahe der Berliner Straße) angelegt werden, und schon länger bestünden solche „im ehemaligen Bechstein’schen Eiskeller und unter der Sanitätswache“ (am Rathaus). Es blieb in Erkner aber zumeist bei Luftschutzkellern und Splitterschutzgräben, die am 8. März 1944 vielen Menschen eher zum Verhängnis wurden!

Bechsteinvilla und Rathaus

Gemeindeamt, Friedrichstr. 10, am rechten Bildrand, Foto nach 1938
Gemeindeamt,
Friedrichstr. 10

Die Gemeinde Erkner hatte 1936 die Gelegenheit, sich endlich ein repräsentatives Rathaus zuzulegen. Bisher gab es seit ca. 1912 lediglich ein Gemeindeamt in der Friedrichstraße 10 mit angemieteten Büroräumen. Der Rathauswettbewerb von 1912 war nie umgesetzt worden.

Nach dem Tod des letzten Sohnes von Carl Bechstein 1934 stand die Bechsteinvilla zum Verkauf. 1936 wurden Haus und Park von der Gemeinde Erkner erworben. Allerdings hatte sich dort Ende 1935 zunächst ein aus Luckenwalde kommender Gruppenstab des Reichsarbeitsdienstes (RAD) einquartiert.

Rathauspark Erkner mit Wasserbecken, Karte 1938
Rathauspark Erkner mit
Wasserbecken, 1938

So konnte Pfingsten 1937 zunächst nur der schon so bezeichnete Rathauspark eröffnet werden. Allerdings war dieser erheblich kleiner als heute. Der westliche Teil zum Dämeritzsee hin war damals noch ein vom See abgetrenntes Wasserbecken mit einer von einem Zaun abgesperrten Durchfahrt, in dem Familie Bechstein eine Art Marina für ihre Boote hatte. Unklar ist, wann das Becken zugeschüttet wurde. Die Forderung gab es z. B. im AAE vom 1. September 1941. Oder geschah dies hauptsächlich mit Trümmerschutt nach dem Bombenangriff?

Rathaus Erkner, Friedrichstr. 6-8, am rechten Bildrand, Foto nach 1938
Rathaus Erkner,
Friedrichstr. 6-8

Erst nachdem der RAD-Stab Erkner im November 1937 verlassen hatte, konnte im Dezember die Verwaltung umziehen. Nach Umbauarbeiten wurde es am 17. Mai 1938 feierlich zum „Rathaus der Gemeinde Erkner“ geweiht.

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