Kriegswirtschaft
Die Versorgung der hiesigen Bevölkerung war zwar angespannt und nur mit einem Markensystem zu bewältigen, aber längst nicht vergleichbar mit den Hungerzeiten des 1. Weltkriegs oder der Inflation. Grundlage dafür war jedoch die Ausplünderung der überfallenen Völker!
Wie im 1. Weltkrieg spielte der Einsatz von Frauen und Jugendlichen eine große Rolle bei der Sicherung des täglichen Lebens und der Produktion. Trotzdem mussten viele Betriebe schließen, sofern sie nicht ihre „Kriegswichtigkeit“ nachweisen konnten.
Ab Oktober 1940 trafen in Erkner Kriegsgefangene bzw. sogenannte Fremd- und Ostarbeiter ein und wurden für die Produktion in Erkners Industrie aber auch kleineren Betrieben eingesetzt. Damit entstanden auch mehrere Zwangsarbeitslager in und um Erkner.
Nur mit Hilfe dieser – überwiegend unfreiwilligen – ausländischen Arbeitskräfte konnte die Kugellagerfabrik überhaupt ihre ursprünglich geplante Kapazität von ca. 2000 Mitarbeitern erreichen. Auf ihrem Produktionshöhepunkt im November 1943 betrug die „Tagesleistung 44.000 Kugellager bei 2200 Mann Belegschaft“. (Heinl 1956)
Genaue Angaben zum Einsatz dieser ausländischen Arbeitskräfte sind uns nicht überliefert. Horst Präkel hat 2000 zusammengetragen, was er dazu recherchiert hat:
„Bereits am 19. Oktober 1940 trafen die ersten 20 Gefangenen (Franzosen) im Teerwerk Erkner ein. Ende Dezember 1940 wurde die Belegschaftsstärke wie folgt angegeben: 269 Arbeiter, 79 Angestellte, 20 Franzosen (39 Arbeiter und 6 Angestellte waren eingezogen). Ein Jahr später registrierte man 275 Arbeiter, 77 Angestellte, 20 Franzosen, 15 Tschechen, 17 Belgier (36 Arbeiter und 10 Angestellte waren eingezogen). …
Die ehemalige Kugellagerfabrik … steigerte die Rüstungsproduktion ebenfalls mit Hilfe von Zwangsarbeitern. 1942 errichtete der Konzern ein Barackenlager für ausländische Beschäftigte direkt am nördlichen Ufer des Dämeritzsees (Jagen 215; die Bauunterlagen sind noch vorhanden). Der Anteil der Ausländer an den ca. 2000 Beschäftigten (Ende 1944) ist nicht bekannt.
In der Bakelite GmbH …, deren Produkte während des 2. Weltkrieges größtenteils für Rüstungszwecke verwendet wurden, beschäftigten die Nationalsozialisten 100-150 Zwangsverpflichtete aus Ost- und Westeuropa. …“ (Präkel 2000)
Für die Kriegswirtschaft gewann wieder die Erschließung aller Reserven – Arbeitskräfte, Rohstoffe, Materialien, Lebensmittel usw. – zunehmende Bedeutung, wie z.B. Aufrufe zur Sammlung von Metall, Stoff, Kleidung oder sogar Knochen zeigen.
In Erkner spielte dabei auch ein vor über 100 Jahren hier wichtiger Wirtschaftszweig wieder eine Rolle. Spätestens 1935 tauchten im AAE Aufrufe auf, wie: „Werdet Seidenbauer“ oder „Pflanzt Maulbeeren!“. Anfang 1940 wurde berichtet: „Erkner erzeugt Seide“. 750 Maulbeerpflanzen sollten am Warmbad in diesem Jahr erstmals Laub geben (waren also etwa vor 4-5 Jahren gesetzt worden. Die Schulen pflanzten je 1000 Sträucher auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Schmidt zwischen Scharnweber- und Königstraße (heute Rudolf-Breitscheid-Straße). Am 3. Juli 1942 verkündete der AAE: „Erkners Jugend züchtet Seidenraupen“. Seidenraupenzucht zog auch in den Unterricht ein. Die nationalsozialistischen Rassenlehre konnte so nebenbei bei der Pflege der Raupen mit Auslese und Ausmerzen von den Schülern eingeübt und verinnerlicht werden. Dabei glaubten sie an einen wichtigen Beitrag zum „Endsieg“, indem lt. Propaganda aus rund 15.000 ihrer gelieferten Kokons ein Fallschirm entstünde. Dabei reichte die Qualität dafür gar nicht aus! Die Seide musste weitgehend per U-Boot aus Japan und dessen besetzten Gebieten herangeschafft werden.

