Wohnungsbau in den 1930er Jahren

Richtfest 1932 in Karutzhöhe
Richtfest 1932 in
Karutzhöhe
Siedlung Karutzhöhe, ab Ende 1932 bezogen
Siedlung Karutzhöhe,
ab Ende 1932 bezogen

Ein 1931 vom Reich erlassenes Förderprogramm für den Bau von Stadtrandsiedlungen wurde auch in Erkner gern angenommen. Es gründete sich die gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft „Eigenhilfe“ und baute mit verbilligten Darlehen, viel eigenem Einsatz und gegenseitiger Unterstützung binnen eines Jahres am Karutzberg – dem späteren Karutzhöhe – die so genannte „Erwerbslosensiedlung“ mit 52 karg ausgestatteten Kleinsthäusern.
Die Erweiterung Karutzhöhes östlich der Hohenbinder Straße erfolgte 1938/39.

Am Südende der Ahornallee konnten ab April 1931 die ersten von 21 Einzimmer-Wohnungen bezogen werden, die noch durch die „Eigenheim-Gesellschaft“ errichtet worden waren. Dieser Wohnblock wurde von der 1927 gegründeten Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Erkner eG (GEWOBA) übernommen, die bisher am Fichtenauer Weg gewirkt hatte und ab 1937/38 das ganze Karree zwischen Buchhorster und Schelckstraße bebauen wird.

Auch südlich der Buchhorster Straße gab es seit Ende der 1920er Jahre eine reges Baugeschehen, das aber mit dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise massiv behindert wurde. Schon im November 1929 berichtete der AAE:

„Die bisher unterbrochene Bautätigkeit in der Buchhorster Straße, wo der Besitzer Roth moderne Landhäuschen errichtet hat, soll, nachdem die Hoch- und Tiefbaugesellschaft ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen war, durch eine andere Gesellschaft fortgesetzt werden. … Nicht weniger als 140 Grundstücke sind auf dem gekauften Gelände parzelliert, und jedes soll mit einem Wohnhaus versehen werden.“ (AAE, 11.11.1929)

„Starenkästen“ in der Buchhorster Str., ab 1932 bezogen
„Starenkästen“,
Buchhorster Str.

Eine Steinhard-Baugesellschaft konnte das teilweise bebaute Gelände ersteigern, zu dem wahrscheinlich auch schon das parzellierte Gelände der heutigen Siedlung „Afrika“ gehörte. Die Fertigstellung der „Starenkästen“ (damals übrigens „Backöfen“) genannten Häuser verzögerte sich mit der Bauunterbrechung ab 1929 extrem. Erst am 9. Mai 1932 konnte der AAE melden: „Die neunzehn Häuser in der Buchhorsterstraße, die schon seit Jahren unfertig dastanden, sind jetzt zum Teil fertiggestellt worden und warten auf Käufer. …“

Haus Janisch, Buchhorster Str./Ecke Ahornallee
Haus Janisch,
Buchhorster Str. 26

Im Zusammenhang mit dieser Bebauung im Süden von Neuseeland siedelten sich dort auch einige Gewerbetreibende für die Versorgung der Bewohner an. Sie errichteten sich Einfamilienhäuser mit Wohnung und Geschäftsräumen. Am 28. Januar 1932 eröffnete Hermann Janisch in der Buchhorster Str. 26 sein Lebensmittel- und Gemüsegeschäft. Wie das Foto zeigt, gab es aber auch andere Waren des täglichen Bedarfs. Am 1. Juni dieses Jahres folgte Heinrich Genschow mit seiner Bäckerei und Konditorei in einem Kupferhaus* in der Ahornallee 21, „Bäckerei Kupferhaus“ genannt.

* Dieses Fertigteilhaus aus Kupferplatten wurde am 8. März 1944 erheblich beschädigt, aber teilweise wiederhergerichtet und auch nach 1945 weiter genutzt. Im Untergeschoss befand sich die Backstube. Die kaum noch als Kupferhaus erkennbaren Reste wurden 2001 abgetragen und durch einen Neubau ersetzt. Ähnliche Kupferhäuser findet man z. B. noch in Rahnsdorf oder in der Ahornstraße 19 in Hessenwinkel.

Familie Spiering errichtete 1933 das erste 8-Familienhaus in der Garten-/Ecke Waldstraße (heute Garten-/Ecke H.-Heine-Straße). Diese wurden ab 1937 durch weitere Häuser ergänzt.

Wohnungsbau ab 1933

Bald nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland rückte die Wohnraumbeschaffung für so genannte Stammkräfte – Beschäftigte insbesondere rüstungswichtiger Industriebetriebe – in den Mittelpunkt.

So errichtete 1934 die Reichsbahn-Siedlungsgesellschaft in der Hafenstraße 3 Wohnhäuser mit 48 Wohnungen. Am 22. Januar 1934 meldete der AAE:

„Die zu errichtenden Wohnungen … sind für Berliner Beamte der Reichsbahn bestimmt, die zurzeit noch in Berlin wohnen, aber hier beim Bahnbetriebswerk tätig sind. Die Wohnungen sollen zum 1. Oktober 1934 beziehbar hergestellt werden. Für die Bauausführung kommen überwiegend Handwerksmeister aus Erkner in Frage. …“


Früher Bebauungsplan für die spätere Rütgerssiedlung, 1930
Früher Bebauungsplan
Rütgerssiedlung

Im April 1937 begann der Bau der „Rütgerssiedlung“ zwischen Woltersdorfer Landstraße und Jahnpromenade. Nach der Personenstandsaufnahme vom Oktober 1939 gab es dort 30 Haushalte mit 111 Bewohnern.
Bereits von 1930 stammt der nebenstehende sehr frühe Bebauungsplan. Und am 10. April 1935 war im AAE zu lesen gewesen: „Erkner soll eine neue Siedlung erhalten. 50 Arbeiter der Rütgerswerke in Erkner wollen siedeln. …“

Aber erst genau zwei Jahre später, am 10. April 1937, hieß es dann im AAE:

„Der erste Spatenstich zur Rütgerssiedlung. Mit dem Bau wird sofort begonnen … ein jahrelang gehegter Wunsch werde nun Wirklichkeit. 20 Siedler erhalten nun ihr Eigenheim. … Schon lange sei es sehnlichster Wunsch vieler Gefolgschaftsmitglieder der Werke, ein Eigenheim zu besitzen. Die Verhandlungen gingen hin und her und gewannen erst feste Form, als sich die Rütgerswerke entschlossen, einen größeren Betrag als Grundstock zu einer Siedlung bereitzustellen. An der Bildung dieses Fonds beteiligte sich auch die Bakelite. … Ursprünglich sollten die Siedlungshäuser schon im Herbst vorigen Jahres fertig sein; aus technischen Gründen war der Baubeginn aber erst jetzt möglich. … Am 1. Oktober d. J. sollen die Siedlerhäuser bezugsfertig sein. Dr. Lang [Direktor der Rütgerswerke Erkner] betonte zum Schluß, daß er … sich dafür einsetzen [würde], daß die Siedlung weitergeführt wird, bis 150-200 Siedlerhäuser errichtet sein werden. Interessenten wären dafür genug vorhanden. …“

Für die 1936-38 in Erkner errichtete Kugellagerfabrik baute 1938/39 die GEWOBA an der südlichen Ahornallee 120 neue Wohnungen. Das letzte dieser Gebäude konnte kriegsbedingt aber erst Mitte 1942 bezogen werden.
Diese Werkswohnungen reichten jedoch nicht aus. Weitere Ein- oder Zwei-Familienhäuser entstanden 1939/40 mit umfangreicher Eigenleistung östlich der Siedlung „Eigenhilfe“ in Karutzhöhe.

„Den neuen Siedlern wurden Werkskredite bereitgestellt, die über die Brandenburgische Heimstätte GmbH abgewickelt wurden. Laut Aussage der … Verträge … erhielt der Neusiedler ein Werksdarlehen von 1.940 RM als Grunddarlehen plus ein gebundenes Darlehen zum Ausbau des Dachgeschosses von 950 RM, somit insgesamt 2.890 RM.“ (Stange 2009, S. 10)

In einem Schreiben vom 20. November 1940 berichtete der Architekt und Baumeister Heinrich Voß, dass 50 Siedlungshäuser in drei Bautypen fertiggestellt seien, von denen bisher 27 bezogen wurden. (BLHA, 56 Landesversicherungsanstalt 85, Bl. 58)

Reichsbahnhäuser an der Hafenstr./Ecke Berliner Str.
Reichsbahnhäuser,
Hafenstr.
Rütgerssiedlung, zwischen Woltersdorfer Landstr. und Jahnpromenade
Rütgerssiedlung,
Woltersdorfer
Landstr.
Gewoba-Häuser für die Kugellagerfabrik an der Ahornallee, Blick von den Spreewiesen, um 1940
Gewoba-Häuser für
die Kugellagerfabrik,
Ahornallee
Kugellager-Siedlung in Karutzhöhe, ab 1939/40
Kugellager-Siedlung,
Karutzhöhe

Ebenfalls 1939/40 entstanden Einfamilienhäuser für die Straßenmeisterei (heute Autobahnmeisterei) an der 1937 eröffneten Autobahnauffahrt.

AAE, 17.08.1939: Erkner ist „Schönster Ort im Kreis Niederbarnim“ (mit Birkenwerder)
AAE, 17.08.1939

Unmittelbar vor dem Kriegsbeginn wurde Erkner im August 1939 noch eine besondere Ehre zuteil. In einem schon mehrere Jahre geführten Wettbewerb wurde Erkner zum „Schönsten Ort im Kreis Niederbarnim“ gekürt (allerdings gemeinsam mit Birkenwerder). Diese Schönheit büßte Erkner jedoch bald ein.

Mit dem Kriegsbeginn wurden die meisten Baupläne wieder eingestellt bzw. bis „nach dem Endsieg“ verschoben. Darunter waren die Baupläne für die von Bürgermeister Lübkes noch im Mai 1939 propagierte Siedlung „Erkner Süd“.

Bauprojekt von 1937, (c) Fünf Jahre, 1938, S. 209
Projekt von 1937

Auch das schon länger geplante Baugebiet am Südende des Ortsteils Neuseeland (die heutige Siedlung „Afrika“) konnte nicht umgesetzt werden. Schon Ende der 1920er Jahre gab es erste Hinweise darauf im Zusammenhang mit der Bebauung der Südwest-Seite der Buchhorster Straße („Starenkästen“). Offensichtlich scheiterte diese aber zunächst mit der Weltwirtschaftskrise. Etwa 1940/41 gab es aber wieder Meldungen im AAE, in denen vom so genannten „Kolonien-Viertel“ gesprochen wurde.

Im AAE vom 13. Februar 1941 wurde über „Neue Straßennamen in Erkner. Auf Karutzhöhe, in Hohenbinde, auf Spreeck und am Flakensee …“ berichtet, zu denen auch die entsprechenden Namen im noch unbebauten „Kolonien-Viertel“ gehörten. Und am 10. Juni 1941 war im AAE zu lesen:

„Frisches Leben im Kolonien-Viertel. Fleißige Siedler schaffen in Erkners jüngstem Ortsteil. 
Es mag manchen in Erkner geben, dem noch gar nicht bekannt ist, daß seine Heimatgemeinde auch ein Kolonien-Viertel besitzt, also einen Ortsteil, dessen Straßen den Namen von deutschen Kolonien oder deutschen Kolonialpionieren tragen. …
Wenn Erkners Kolonien-Viertel noch nicht vielen Erkneranern bekannt ist, so ist das weiter nicht verwunderlich, denn noch stehen in diesem jüngsten Ortsteil Erkners keine Häuser, noch sind die Straßen nicht angelegt, noch stehen keine Straßenschilder …
Die Straßen dieses Viertels sind aber schon zu erkennen, seitdem fast alle Grundstücke an diesen Straßen ihre Besitzer gefunden haben. Allerdings muss davor gewarnt werden, diese Straßen mit einem schweren Fuhrwerk befahren zu wollen, denn unser Kolonien-Viertel hat mit Afrika das gemeinsam, daß ein großer Teil seines Bodens ziemlich sandig ist. …“

Besonders ab 1942 beschränkte sich die Bautätigkeit auf Barackenunterkünfte für Zwangsarbeiter der Industriebetriebe Erkners, vor allem der Kugellagerfabrik.

Ruinen Erkners, Friedrichstr./Ecke Fürstenwalderstr., 1944
Ruinen Erkners, 1944

Am 8. März 1944 wurde in Großteil der Bauten vor allem im Ortszentrum und in der Bahnhofssiedlung durch amerikanische Bomben zerstört oder beschädigt. Über 40 % aller Häuser konnten nicht wiederhergestellt werden. Als Ersatz blieben meist nur Behelfsheime, kleinste, hölzerne Notbauten. Erkner wurde speziell im Zentrum für rund 30 Jahre zur „Ruinen- und Barackenstadt“.

8. März 1944 – Versuch einer Bilanz
Ruinen und Baracken

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