Kommandantura & Verwaltung

Mit dem Einmarsch der Roten Armee am 21. April 1945 wurden alle bisherigen deutschen Verwaltungen aufgelöst. Für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) war 1945-1949 die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) das höchste legislative, exekutive und judikative Organ.

Anfangs Sitz der Kommandantura, Berliner Str. 1 (Foto um 1980)
Anfangs Sitz der
Kommandantura,
Berliner Str. 1

In Erkner wurde eine „Kommandantura“ unter Leitung von Ortskommandant Gardeoberstleutnant Sanin eingerichtet. Ihm waren Kapitän (Hauptmann) Korolow für Kultur, Kapitän Gregoriew für Landwirtschaft und Leutnant Zaldatse bzw. Kapitän Litschuk für Wirtschaft unterstellt. Als „Schutzeinheit“ war ein Zug mit 30 Mann stationiert. Daneben gab es noch längere Zeit Einquartierungen von Truppen, so z.B. in beschlagnahmten Häusern im Süden von Erkner-Neuseeland. Die Kommandantur Erkner war der Kreiskommandantur Niederbarnim in Bernau unterstellt.

Zunächst ernannte der sowjetische Ortskommandant Sanin zum Bürgermeister den von den Nazis 1933 relegierten Rektor Paul Bork (SPD), der jedoch erkrankte. Daraufhin wurde Franz Dames (SPD) eingesetzt, der gleichfalls 1933 aus dem Schuldienst vertrieben worden war. Ihm folgte am 25. Mai 1945 Wilhelm Krägenau (KPD).
Die erste Kommunalwahl gab es in Erkner im September 1946, zwar schon unter erheblichem Druck der SMAD und der SED, aber noch nicht mit „Einheitslisten“, wie bei späteren Wahlen in der SBZ/DDR üblich. Die CDU siegte in Erkner vor der SED und stellte ab Dezember 1946 mit Peter Ackers den Bürgermeister.

Ortskommandant Gardeoberstleutnant Sanin
Ortskommandant
Sanin
Paul Bork
Paul Bork
Franz Dames
Franz Dames
Wilhelm Krägenau
Wilhelm Krägenau

Trotz oder gerade wegen der schier endlosen Probleme engagierten sich zahlreiche Erkneraner. Nachdem die SMAD am 10. Juni 1945 die Gründung demokratischer, antifaschistischer Parteien zugelassen hatte, fanden sich Bürger, um KPD, SPD und CDU wiederzubeleben oder neu zu gründen. Daneben entstanden auch andere Organisationen, wie FDJ, Frauenausschüsse, Kulturbund oder Siedlerverein.

Bei all dem hatte die Kommandantur stets ein wachsames Auge und griff rigoros ein und durch, wenn sie es für nötig hielt. Das spürten auch die kommissarisch eingesetzten Dezernenten und anderen Funktionsträger und Aktiven.

Auszug aus dem Niederschriftenbuch der Gemeindevertreter Erkners:

Erkner, den 30. April 1945

Der von dem Kommandanten der russischen Besatzungsarmee eingesetzte Bürgermeister Franz Dames hat zu heute 17 Uhr die ehemaligen Mitglieder der SPD und KPD zu einer Besprechung eingeladen.

Die Anwesenden haben sich in einer besonderen Anwesenheitsliste eingetragen. Bm. [= Bürgermeister] Dames gab einen kurzen Überblick über die augenblickliche Lage. Da er […] jetzt nicht alle an ihn herantretenden Arbeiten allein bewältigen kann, hat ihm der Kommandant 2 stellvertretende Bürgermeister, 1 Bürovorsteher, 6 Gemeindevertreter und 1 Obmann für Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft zugesagt, die aus der Versammlung heraus zu bestimmen sind.

Es wurden durch Zuruf folgende Genossen bestimmt:

  • Max Ströhmer und Willi Krägenau als stellv. Bürgermeister
  • Franz Kindler als Bürovorsteher
  • Franz Büchel als Obmann für Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft

als Gemeindevertreter: 

Karl HaukeRathauspark (Alt)*
Max WernerAhornallee 42 (Neuseeland)
Erich ThiemSchönschornstein Neubuchhorst
Willi LiesackDrosselstieg 16 (Siedlung)
Wanda KrägenauKarutzhöhe
Max EisenbergKiekebuschstr. 5 (Hohenbinde)

als Stellv. Gemeindevertreter:

Albert HaubenschildScharnweberstr. 7 (Alt)
Max HoffSchelckstr. 12 (Neuseeland)
Arthur MarczinskiSchelckstr. 11 (Neubuchhorst)
Bruno OelrichSemnonenring (Siedlung)
Erich FrießWeidenweg 5 (Karutzhöhe)
Fritz FeldtForststr. 5 (Hohenbinde)

* Diese in Klammern gesetzten Angaben scheinen sich auf den Ortsteil zu beziehen, den sie vertraten. „Alt“ meint das Zentrum Erkners, inkl. des Gebietes östlich des Bahndamms.

Auszug aus den „Erinnerungen zum 20. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus“ 1965 von Wilhelm Krägenau:

„Am 25. Mai 1945 wurde ich vom Ortskommandanten Oberstleutnant Sanin zum Kommissarischen Bürgermeister und später zum Bezirksbürgermeister ernannt (Eingliederungen Grünheide, Fangschleuse, Spreeau, Mönchwinkel). …“

Krägenau zählte dann als seine kommissarisch eingesetzten Mitstreiter – je fünf von der KPD und SPD, einer von der CDU und ein Parteiloser, die in der Rathausbaracke hinter dem ausgebrannten Rathaus wirkten – auf:

NamePartei1Funktion
Wilhelm KrägenauKPDBürgermeister
Max HoffSPD1. stellv. Bürgermeister, Dezernent Wohlfahrt, Sozialwesen
Max Ströhmer KPD2. stellv. Bürgermeister, Dezernent Finanzen und Landwirtschaft
Paul BorkSPDUmschulung der Lehrer und Schulhelfer im antifaschistischen Geist
Paul BrauneSPDWohnungsamt
Siegfried FitschSPDDezernent Ernährung
Otto KeutheSPD2Dezernent Wohnungswesen, Grundstücksangelegenheiten
Fritz BeckKPDDezernent Industrie, Handel, Gewerbe, Verkehr
Else GöhringKPDDezernent Arbeitsamt
Hans GöhringKPDDezernent Polizei, Parteiarbeit
Paul PielenzKPDDezernent Kultur, Volksbildung, Gesundheitswesen
Adolf HärtelCDUBauingenieur, Dezernat Bauwesen
Herbert NeubertparteilosArchitekt, Dezernat Bauwesen

1 Parteien konnten in der Sowjetischen Besatzungszone erst nach dem SMAD-Befehl Nr. 2: „Erlaubnis zur Bildung und Tätigkeit aller antifaschistischen Parteien und Gewerkschaften“ vom 10. Juni 1945 gegründet werden.
2 In wenigen anderen Quellen wird für Otto Keuthe KPD angegeben.

Zurück zur Themenseite