16.-20. April 1945
Als am frühen Morgen des 16. April 1945 mit einem gewaltigen Trommelfeuer aus 40.000 Geschützen an der Oder der Sturm auf Berlin eingeleitet wurde, soll der Gefechtslärm bis nach Erkner zu hören gewesen sein, wie mehrere Zeitzeugen berichten. Allein auf dem Abschnitt zwischen Küstrin und Guben standen ca. 1 Millionen Soldaten der 1. Weißrussischen Front unter Marschall Shukow lediglich 120.000 Soldaten der 9. Armee unter Generaloberst Heinrici gegenüber. Bei den Panzern war das Verhältnis etwa 3000 zu 500 und bei den Geschützen 40.000 zu 700. Trotzdem wurde Shukow insbesondere an den Seelower Höhen länger aufgehalten als von ihm geplant.
Spätestens mit dem Fall von Müncheberg am 19. April war der Vormarsch entlang der Reichstraße 1 ( heute: B 1) jedoch kaum noch aufzuhalten.
Damit wurde nun auch in den berlinnahen Gebieten der Stellungsbau vorangetrieben. Panzergräben und -sperren wurden vorbereitet, mussten aber solange wie möglich offengehalten werden, um Flüchtlingskolonnen und Truppentransporte nicht zu behindern. So wie z.B. in Mahlsdorf, Herzfelde an der Hauptstraße (B 1) oder in Kagel vor und hinter der Schule, wird es solche wohl auch in Erkner an mehreren Stellen gegeben haben, wie an den Ausfallstraßen oder an den Brücken.
Die kurzfristige Sprengung der Brücken war durch spezielle Pioniereinheiten vorbereitet. Die meisten Brücken im Bereich der Autobahnmeisterei Erkner fielen ihnen zum Opfer und auch 32 von 33 der über den Oder-Spree-Kanal führenden. Nur die Schleusenbrücke in Wernsdorf konnte unter Lebensgefahr davor bewahrt werden. „Die Trümmer der anderen versperrten den Kanal. 188 Fahrzeuge lagen versenkt auf seinem Grund.“
Für die Einwohner stellte sich die Frage der Flucht. Schon in den Wochen zuvor hatten viele die Möglichkeit ergriffen, z.B. mit Werks-LKW zur Verlagerung von Teilen der Bakelite in Richtung Westen zu gelangen. Die meisten mussten aber bis zu offiziellen Räumungsbefehlen warten, die oft sehr spät kamen. Vorher ging es nur mit einem Evakuierungsschein. Ohne diesen riskierte man „von den eigenen Truppen erschossen zu werden“. Etwa am 20. April gingen viele Einwohner Kagels „auf Treck“:
„Die Leute luden nur wenige Habseligkeiten auf Pferdewagen, Karren, Handwagen oder Fahrräder. Sie ließen fast alles Hab und Gut zurück. Die Haustüren wurden offen gelassen, weil klar war, dass sie sonst aufgebrochen werden würden. Das Vieh blieb in den Ställen …“.
Wahrscheinlich sind auch sie – wie tausende andere – dabei durch Erkner gezogen. Von einem endlosen Strom wird z.B. aus Rahnsdorf berichtet, der plötzlich endete, wahrscheinlich mit den Brückensprengungen am Flakenfließ. Einige Erkneraner schafften es grad noch über die Spree in Neu Zittau mit einer LKW-Kolonne, unter denen Fahrzeuge der Feuerwehr waren.
Die Bleibenden suchten nach halbwegs sicheren Verstecken, wenigstens in den Kellern. In Nachbarorten waren auch größere Bunker oder Tunnel ihr Ziel. So der Bunker in Rahnsdorf an der Fürstenwalder Allee oder in Kalkberge (Rüdersdorf) die Tunnelanlagen des Reden- und Heinitzkanals. Im Redentunnel saßen viele dann teilweise zwischen den nach dem 8. März 1944 hierher verlagerten Maschinen der Kugellagerfabrik. Andere suchten Zuflucht in den Wäldern. So beschreiben Kagler, dass sie sich mehrere Tage Richtung Klein-Wall „am Postluch-Graben … ‚eingebunkert‘ hatten“, da es hieß, dass „die Russen nicht über die Löcknitz kommen“ würden.
Aber nicht nur die Front selbst verbreitete Angst. Seit Tagen unterstützten sowjetische Bombenangriffe das Vorgehen ihrer Truppen. So wurde ab dem 16. April das bis dahin fast verschonte Fürstenwalde mit täglichen Fliegerangriffen in weiten Teilen zerstört. Am 19. April wurden beim „letzten Bombenangriff auf Erkner 8 Häuser zerstört mit 11 Wohnungen.“


