Kommunalwahl am 17. November 1929

Der Wahlkampf Ende 1929 war durch verstärkte Konfrontation zwischen den Parteien, aber auch innerhalb der politischen Richtungen geprägt, noch aber meist verbal. So traten im bürgerlichen Lager vier verschiedene Listen zur Wahl an. Auch diese Zersplitterung trug dazu bei, dass gegenüber 1924 die SPD 8 statt 5 der 18 Gemeindevertreter stellen konnte, während die Bürgerliche Vereinigung nur noch 6 Sitze holte. Die KPD blieb bei 3 Abgeordneten. Statt der ehemals 3 völkischen Abgeordneten konnte von der erstmals bei der Gemeindewahl in Erkner antretenden NSDAP lediglich ein Vertreter einziehen.

Wahlergebnisse – Kommunalwahl Erkner 17.11.1929:

Partei/VereinigungStimmen%Sitze
SPD147538,18
BV (Bürgerliche Vereinigung)122831,76
KPD58815,23
NSDAP3238,31
OIG (Ortsinteressengemeinschaft)1173,0 –
Zentrum1112,9 –
SUMMEN3876 18

Quelle: AAE, Mo, 18.11.1929, S. 1 und eigene Berechnungen

Da für diese Kommunalwahl die Ergebnisse inklusive der Stimmenzahlen überliefert sind, ist auch ein Vergleich der Wahlergebnisse innerhalb Erkners nach Stimmbezirken möglich!

Gemeindevertretung 1929, Sitzordnung, AAE, 20.12.1929
Gemeindevertretung
1929, Sitzordnung

Die am 17. November gewählten Abgeordneten traten zu ihrer ersten Sitzung am 19. Dezember 1929 „bei Karbe“ (Restaurant „Gesellschaftshaus“, Friedrichstr. 75) zusammen. Unter der Leitung des Gemeindevorstehers Lübkes konstituierte sich das neue Ortsparlament, in dem er die 18 Gemeindevertreter per Handschlag vereidigte. Anschließend wurden je zwei Beisitzer und Stellvertreter für die Schöffenwahl im Januar gewählt.
Neu war die Sitzordnung gegenüber der bisherigen zu beiden Seiten einer langen Tischreihe.

Zum Eklat kam es bei der Schöffenwahl am 9. Januar 1930, bei der von den Gemeindevertretern die Abgeordneten Poike und Paschke für die SPD und Habel von der Bürgerlichen Vereinigung gewählt wurden. Vierter Schöffe wurde aber völlig überraschend mit Unterstützung des Nationalsozialisten Weidlich der KPD-Vertreter Göhring!

Auch dadurch war in den Sitzungen kaum noch sachliches Arbeiten möglich, so dass der Zugang der Öffentlichkeit eingeschränkt werden musste. Am 23. März 1930 kam es sogar zu einer Schlägerei zwischen Reichsbanner und Stahlhelm am Schützenhaus.

Gemeindevertretung Erkner ab 1929

Kommunalwahlen Erkner 1919-33

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