Vier Anläufe
Erst mit der Einführung des Jägers P-51 „Mustang“ um die Jahreswende 1944/45 verfügte die 8. US Air Force über den Begleitschutz für ihre Bomber mit Reichweiten von Ostengland bis in den Berliner Raum und darüber hinaus.
Somit stand ab Anfang März 1944 „Big B“ ganz oben auf den Plänen der 8. USAF. „Big B“ war der Militärcode für Berlin. Seitdem wurden die Menschen nicht nur nachts in die Bunker und Keller getrieben, denn im Gegensatz zu den bisherigen britischen Nachtangriffen flogen die US-Amerikaner am Tage!
Schon beim 1. geplanten Tagesangriff auf die Hauptstadt Berlin am 3. März 1944 war auch Erkner ein „main“ oder „primary target“ (Haupt- oder Primärziel). Genauer gesagt war das Ziel die „Ballbearing Factory at Erkner“ (Kugellagerfabrik in Erkner). Bürokratisch-nüchtern hielt der Einsatzbericht fest:
„03.03.1944 Mission 246: 555 B-17 und 193 B-24 wurden gegen Industrieanlagen und Flugzeugwerke in Berlin, Erkner und Oranienburg entsandt, aber Wetterverschlechterung und dichte Bewölkung zwangen die Verbände zum Abbruch oder gegen Ausweichziele.“ (8. US Air Force, Mission Report)
Ähnlich war die Situation beim 2. Versuch am 4. März: Auch Mission 247 scheiterte am Wetter. Statt „industrial areas in the suburbs of Berlin“ (Industrieanlagen in Vororten von Berlin) wurden u.a. Köln und Bonn angegriffen, lediglich 30 Bomber sollen bis Kleinmachnow gekommen sein – weshalb dieser Einsatz als erster Tagesangriff auf Berlin gewertet wird. Zwar wurde im offiziellen Bericht der 8. Air Force für diesen Tag nur allgemein von „Vororten Berlins“ gesprochen, aber zumindest in den Einsatzberichten ihrer 401. Bombergruppe ist klar das Kugellagerwerk Erkner als ursprüngliches Angriffsziel benannt.
Erst am 6. März (250. Mission!) gelang unter schwersten Verlusten der erste Tagesangriff auf Berlin, bei dem tatsächlich das Stadtgebiet erreicht wurde. Weiterhin betroffen waren z. B. auch Oranienburg und Kalkberge (Rüdersdorf).
Doch die gegen Erkner und speziell das Kugellagerwerk eingesetzten Bomberverbände konnten auch beim dritten Anlauf ihr Ziel unter einer dichten Wolkendecke wieder nicht finden. Erkner hatte nochmals zwei Tage Aufschub erhalten! Im Einsatzbericht der 401. Bombergruppe wurde vermerkt:
„Zum dritten Mal war Erkner das vorgegebene Ziel – und zum dritten Mal hinderten Wolken die 8. Air Force am Bombardierungsversuch. Doch Berlin wurde zwischen aufgerissenen Wolken gefunden …“ (401BG Mission Report)

