8. März 1944 – Das Ende des alten Erkner
Auch wenn Reichsluftmarschall Göring angeblich „Meier heißen“ wollte, „wenn ein einziger feindlicher Bomber über Berlin auftaucht“, konnte er schon im Juni 1940 die ersten, noch einzelnen Bomben dort nicht verhindern. In Erkner glaubte man aber nicht wirklich, dass dieses kleine Örtchen Ziel eines Bombenangriffs werden könnte. Sonst hätte man wahrscheinlich viel stärker auf den Bau von Luftschutzbunkern gedrungen. Stattdessen gab es neben ausgebauten Kellern nur einige Splittergräben in der Nähe des Bahnhofs oder der Schulen.
Bunkerbau war – bis auf teilweise verbunkerte Kugellager-Werkhallen – weitgehend auf kleine Privatbauten in Gärten für wenige Personen beschränkt. Der wahrscheinlich am besten ausgebaute Bunker wurde erst vor wenigen Jahren an einem Haus in der Seestraße gefunden, aus Materialien, die im Krieg kaum noch zu haben waren. Sicher war es kein Zufall, dass dort der NS-Ortsgruppenleiter Sonntag gewohnt hatte!
An die geringe Gefährdung Erkners glaubte man auch noch Anfang 1944, als es intensive Vorbereitungen für die Verlagerung von Teilen der bedeutenden Bibliothek aus dem Hofmann-Haus der Deutschen Chemischen Gesellschaft in Berlin in das kaum noch genutzte Bakelite-Gebäude in der Flakenstraße gab.
Bereits vorher gehörten Luftalarme auch in Erkner zum Alltag, denn jeder dieser Alarme im Großraum Berlin wurde auch hier ausgelöst. Ab Herbst 1940 wurden einzelne Brand- und Sprengbomben-Abwürfe in der Region gemeldet. In der Nacht zum 24. Dezember 1943 gab es die ersten größeren Zerstörungen durch einen – wohl noch nicht gezielten – Luftangriff, bei dem der Ort mit ungezählten Brandbomben überschüttet wurde. Immer wieder wurden Luftgefechte am Himmel über Erkner mit einzelnen, wahrscheinlich vom Kurs abgekommenen britischen Flugzeugen beobachtet.
Am 20. Januar 1944 stürzte ein Bomber vom Typ Avro 683 „Lancaster“ ab und versank in den Spreewiesen zwischen dem Bretterschen Graben und der Ahornallee. Sie gehörte zwar zu einem Verband der britischen Royal Air Force (RAF), die wie bis dahin üblich Nachtangriffe gegen Berlin flog, stammte aber von der 463. Squadron (Staffel), die aus Bombern der RAAF, der Royal Australien Air Force gebildet wurde. Von den ca. 10 Mann Besatzung wurden vier Tote geborgen und auf Erkners Friedhof bestattet. Ein bis zwei Männer überlebten den Absturz und drohten Lynchversuchen von Erkneranern zum Opfer zu fallen. Sie sollen aber von einem Soldaten auf Fronturlaub beschützt worden sein. Über ihr weiteres Schicksal und das der anderen Besatzungsmitglieder ist nichts überliefert.

