Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

Zunächst spielte 1933/34 jedoch die Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit eine wichtige Rolle, wegen der für viele Deutsche die NSDAP als wählbar erschienen war. Propagandistisch war die Überwindung der Massenarbeitslosigkeit ein wichtiges Zeichen. Die ab 1933 international anziehende Konjunktur war dafür die Basis!

Betonierung der Buchhorster Straße als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme 1933
Betonierung der
Buchhorster Straße

Ein großes Risiko war die mit einer erneuten Inflationsgefahr verbundene hohe Staatsverschuldung durch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die oft schon vor dem 30. Januar 1933 vorbereitet bzw. begonnen worden waren. So der Bau des Gosener Kanals und Straßenpflasterungen in Erkner oder die Betonierung der Buchhorster Straße, ab 1934 auch der Autobahnbau am Berliner Ring – in den meisten Fällen körperlich schwere Arbeiten mit geringer Bezahlung. Auch die längst heimlich angelaufene Aufrüstung trug zur Überwindung der Arbeitslosigkeit bei.

Nicht erst ab 1933 wurde die Einführung eines Pflicht-Arbeitsdienstes für ganze Jahrgänge von Jugendlichen diskutiert, die auch die Arbeitslosigkeit durch billige Arbeitsplätze verringern sollte. Solch ein Dienst existierte schon, allerdings freiwillig. Bereits Ende 1932 gab es ein „Arbeitsdienstlager Kalkberge“. Am 16. Mai 1933 verkündete der AAE: „Jahrgang 1915 wird die ersten Arbeitsdienstpflichtigen stellen. Die Einziehung erfolgt am 1. Januar 1934.“ Dies wurde nur durch internationalen Druck verhindert, weil dabei eine heimliche militärische Ausbildung, also die Umgehung der Begrenzungen aus dem Versailler Vertrag, befürchtet wurde. Noch nahm Hitler außenpolitische Rücksichten!

Aufmarsch des Reichsarbeitsdienstes vor der Firma EGONA, Friedrichstr. 3, am 13.07.1935 (c) Kreiskalender 1936
Aufmarsch des RAD
1935 in Erkner

Erst Mitte 1935 wurde die Dienstpflicht im Reichsarbeitsdienst (RAD) durchgesetzt, als ohnehin die Wehrpflicht wieder eingeführt worden war.
Zu Beginn mussten Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren einen sechsmonatigen Dienst leisten, der dem regulären zweijährigen Wehrdienst vorgeschaltet war. Mit fortschreitendem Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurde die RAD-Zeit der Männer immer weiter verkürzt und bestand ab Mitte 1944 nur noch aus einer sechswöchigen militärischen Grundausbildung. Alle Arbeitsdienstleistenden erhielten im gesamten Reich einheitlich 21 Reichsmark pro Woche für ihre körperlich anstrengende Arbeit, etwa im Straßen- und Siedlungsbau oder im Steinbruch. Das entsprach dem Hilfsarbeiterlohn für Berufsanfänger Anfang der 1930er Jahre. Frauen waren seit 1939 ebenfalls zu einem sechsmonatigen Dienst verpflichtet, der jedoch häufig und mit zunehmender Kriegsdauer durch zusätzliche Notdienste verlängert wurde.

Ab Ende 1935 quartierte sich übrigens der aus Luckenwalde kommende Stab der RAD-Gruppe 92 für zwei Jahre in der Bechstein-Villa in Erkner ein, wodurch sich auch der Umbau zum neuen Rathaus der Gemeinde verzögerte.

Dem Abbau der Massenarbeitslosigkeit dienten nicht zuletzt auch die weitreichenden Einschränkungen der Berufstätigkeit verschiedener Bevölkerungsgruppen, angefangen bei den Frauen bis hin zu Berufsverboten gegen politische Gegner oder Juden und andere Minderheiten. Schon sehr zeitig waren in Erkner z. B. betroffen:

  • Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, die bereits ab Ende Januar 1933 – teilweise mehrfach – verhaftet und oft monatelang ohne Anklage oder gar Urteil eingesperrt wurden, Liste der 1933 in Erkner Verhafteten
  • bereits im April 1933 begannen die Berufsbeschränkungen für Juden, wie den Apotheker Friedmann oder den Arzt Dr. Hönigsberg, „Herrenrasse“ und „Volksgemeinschaft“
  • in der Gemeindeverwaltung wurden diverse Mitarbeiter entlassen oder umgesetzt und in vielen Fällen durch NSDAP-Mitglieder ersetzt, wie z. B. der langjährige Schöffe und Sportplatzwart Poike
  • mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 konnten Beamte, die sich in oppositionellen Parteien betätigt hatten bzw. diesen nahe standen, entlassen werden; getroffen hat es u.a. den Rektor Bork und den Lehrer Dames der Gemeindeschule
  • Frauen wurden aus vielen Berufen gedrängt, besonders mit dem Vorwurf, „Doppelverdiener“ zu sein, wenn beide Ehepartner Arbeit hatten, wie z. B. bei der Lehrerin Hildegard Zimnik, die nach ihrer Hochzeit alljährlich nachweisen musste, dass ihr Mann zu wenig verdiente
  • auch Erkneraner verließen jetzt oder in den nächsten Jahren das Land, vor allem aus politischen oder rassistischen Gründen; zu den ersten gehörte 1933 die Familie des Arztes Dr. Hönigsberg, zu den letzten, die Deutschland lebend verlassen konnten 1938 der Chemiker Dr. Lebach und seine Frau
  • weniger Glück hatte z. B. die jüdische Familie Dymak, die 1942/43 „nach Osten ausgewiesen“ oder deportiert wurden, was sie wahrscheinlich nicht überlebten
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