Ruinen und Baracken

Bereits kurz nach Kriegsbeginn war das reguläre Baugeschehen weitgehend gestoppt bzw. auf „kriegswichtige Bauten“ beschränkt worden.

Die ab Oktober 1940 in Erkner eintreffenden Kriegsgefangenen bzw. sogenannten Fremd- und Ostarbeiter wurden zunächst in kriegsbedingt ungenutzten Gebäuden untergebracht, wie dem ehemaligen Restaurant und Bootshaus Kyffhäuser am Flakensee. Mit zunehmender Kriegsdauer und steigendem Einsatz von Zwangsarbeitern wurden ab 1942 auch verstärkt Barackenlager errichtet, wie das für die Kugellagerfabrik am Nordufer des Dämeritzsees. Zum Einsatz ausländischer Arbeitskräfte vergleiche hier.

Leider sind nur wenige Informationen über diese Lager in Erkner überliefert, insbesondere zu den genauen Standorten, Größen, Funktionen oder den betroffenen Personen. Bisher sind mindestens diese Lager-Standorte von Zeitzeugen benannt worden:

Einer der möglichen Lagerstandorte: spätere BHG-Baracke Neu Zittauer Str. (heute am Kurpark-Center)
Einer der möglichen
Lagerstandorte
  • Lager Kyffhäuser-Komplex, Flakensee/Flakenfließ
  • Lager Klosterhof, Flakenstr. 23-24, Flakenfließ
  • Lager Nordufer Dämeritzsee, Jagen 215
  • Lager Weiße Burg, Uferstr. 1-4
  • Lager Seestr. (Standort unklar, evtl. identisch mit Lager Weiße Burg)
  • Lager Pfälzer Str. 13/14
  • Lager am Kurpark (etwa Standort neue Feuerwache)
  • Lager Reichsnährstand, spätere BHG, Neu Zittauer Str. (heute ca. Nr. 41)

Es scheint aber zumindest auch auf dem Betriebsgelände der Kugellagerfabrik und des Teerwerks solche Barackenlager mit Mannschaftsbaracken für mehrere hundert Personen gegeben haben. (vgl. Kubatzki 2001)

Zentrales Durchgangslager Wilhelmshagen, Lageplan, (c) Scholze-Irrlitz 1998
Durchgangslager
Wilhelmshagen

Das größte derartige Lager der näheren Region lag zwar nicht direkt in Erkner, aber im Wald nach Wilhelmshagen. Es wurde im September 1942 in Betrieb genommen als Zentrales Durchgangslager mit 20 Mannschaftsbaracken für ca. 4.800 ankommende Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa, die hier erfasst und nach wenigen Tagen in die jeweiligen Firmen in Berlin und Brandenburg weitergeleitet werden sollten. Indirekt betraf dieses Lager auch Erkner, da das dafür angelegte Anschlussgleis mit einer Verladerampe über die Landjägerallee verlief, ein zu Erkner gehörender schmaler Waldstreifen parallel zum Bahnkörper vom Wasserwerk bis kurz vor dem Bahnhof Wilhelmshagen.

Für die beiden im Herbst 1943 nach Erkner verlegten Fleischer- und Bäckerkompanien der Wehrmacht wurden im Gebiet des Schützenhauses (heute etwa das Gelände um die Tankstelle an der Neu Zittauer Straße) ebenfalls Baracken aufgestellt.

Ruinen in der Friedrichstr. 20-10, ganz links: Einmündung Seestr.
Ruinen Friedrichstr.

Wegen der schweren Zerstörungen am 8. März 1944 – ca. 75 % aller Gebäude waren beschädigt, allein 40 % total oder weitgehend zerstört – entstanden in den nächsten Monaten unzählige hölzerne Baracken und Behelfsheime über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Sie waren auf maximal 20 m2 Grundfläche für zwei kleine Räume und einfachste Gestaltung beschränkt. Erkner wurde zur „Ruinen- und Baracken-Stadt“. Und sollte es teilweise für die nächsten 30 Jahre bleiben!

Behelfsheim der Familie Buche auf der Rückseite ihres zerstörten Hauses Friedrichstr. 20
Behelfsheim der
Familie Buche

Da die Bombardierung deutscher Städte inzwischen zum Alltag gehörte, waren Notmaßnahmen zur Unterbringung der ausgebombten Bevölkerung notwendig. Dazu existierte seit September 1943 eine „Behelfsheim-Fibel“, nach deren Mustern Behelfsbauten schnell und möglichst im Eigenbau errichtet werden sollten. Solche Baracken entstanden hier als Einzel- oder Doppelbauten in Gärten oder Siedlungen auf größeren Frei- oder beräumten Ruinenflächen, wie z.B. auf dem Rund der Bahnhofsiedlung.

Zeitzeugenberichte (Audio)

Auch die Industriebetriebe waren schwer getroffen worden, aber längst nicht völlig zerstört, wie die Amerikaner annahmen. Wegen ihrer Kriegswichtigkeit wurden sie beschleunigt wieder hergerichtet oder die Produktion verlagert. Viele der Ausgebombten kamen nur notdürftig in nicht zerstörten Ortsteilen unter. Die Erkneraner mussten enger zusammenrücken.

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